
Mission 01
Die heimtückischen Eroberer aus den südlichen Plejaden
Von Andreas Winterer
Captain Scott Bradley flog gerade mit seinem Superschlachtschiff der GX-3000-Klasse eine Patrouille durch den unteren Teil des Plejadengürtels, als er mit dem Unglaublichen konfrontiert wurde.
Er merkte es nur nicht gleich.
Wer es merkte, war Stan McSheckley. Der hagere Kommunikationsgefreite mit dem roten Haarschopf fiel schier aus seinem Elastosessel, als er die Signale des Funkgeräts durch die neuronalen Netze des Frequency Analyzers jagte. Ein Morsezeichen später stand er in Bradleys Kajüte.
"Sir. Ich habe da etwas ungewöhnliches ... so etwas habe ich noch nie gesehen..."
"Hallo, Junge. Setz Dich doch!", dröhnte Bradley. "Was zu trinken? Ich habe mir eben einen Schokacolaffee gebraut, der selbst unseren harten Titaniumtassen ein wenig Herzflattern beibringen dürfte." Er lachte und setzte sich ebenfalls. "Was hast Du auf dem Herzen, mein Junge? Bisschen blass heute. Kommt von dem Joghurtzeug, das ihr jungen Leute mampft. Solltest mal ein rohes Steak mit Zwiebeln essen."
"Nun, Sir, ich habe da ein paar seltsame Signale... die können nicht irdischen Urspru..."
"Keine 'Sir's hier, mein Junge. immerhin ist das nur ein langweiliger Patrouillenflug in unerforschten Einöden. Ich dachte mir, sowas wäre mal spannender als der ständige Abenteuerurlaub auf Puhra Rente oder diese öden Messerspielchen mit den Glinkonen."
Bradley lachte wieder und krempelte die Ärmel des Hemdes hoch, so dass seine muskulösen, behaarten und von vielen Typ-G7-Sonnen braungebrannten Arme sichtbar wurden.
"Außerdem ist seit 30 Minuten Feierabend, Junge. Nenn mich Scott. Sitz bequem! Nimm Dir 'nen Keks!"
"Ja, äh, Sir, Scott, sehen Sie, nach Feierabend lausche ich immer dem äh, Gesang der Sterne, wie wir Funker es nennen, und da kommt dieses seltsame..."
"Der Gesang der Sterne... Ihr Funker habt doch wirklich poetische Seelen, was? Das hat schon den alten Admiral Hogan beeindruckt, damals, 44, bei der Schlacht um die singenden Plasmajets von Ciceronicus Gamma." Der Captain stürzte sich den Kaffee in den Hals und hmm-te donnernd aus seinen 7,9-Liter-Lungen. "Und weiter? Was hat es mit dem Signal auf sich?"
Der Funker nahm einen winzigen Schluck von dem Kaffee und bekam auf der Stelle Herzflattern.
"S-Sir, äh, S-Scott: E-Es ist k-k-künstlich. U-U-U-nd n-n-n-icht mm-mm-enschlich."
"Künstlich?" Bradley lachte dröhnend und stand mit knackenden Gelenken auf. Dann stellte er sich breitbeinig und mit hinter dem Rücken verschränkten Armen vor die Sternenkarte, die eine Wand seiner Kabine zierte. "Hier? Wir sind doch praktisch nirgendwo. Am Arsch der Galaxis, sozusagen."
"Es kommt von einem Doppelstern-System, keine 23 Parsecs von hier, nahe ZZ Plural Z Alpha."
Bradley fingerte eine Havanna aus der Brusttasche seines leichten Einsatzoveralls und biss die Spitze ab. "Pftouh!" Die Spitze landete im Schädel eines belgrumbianischen Sumpfmonsters, der auf dem Schreibtisch von Bradleys Jagdleidenschaft zeugte. "Vielleicht ein Radiostern, der wegen dunkler Materie nicht zu sehen ist?"
"Habe ich gecheckt, Sir. Nein."
"Nein? Na schön, Sie sind der Spezialist. Ich bin ja bloß der Kutscher dieser Mühle." Bradley entzündete ein Streichholz an seinen linken Ohrläppchen und steckte sich die Havanna an. "Hmpf... was ist denn so besonders an diesem Signal?"
"Es sieht mir ... wie ein Hilferuf aus. Oder auch eine Warnung. Der Computer will mehr Daten, sonst kann er die Botschaft nicht genau bestimmen. Aber es gibt eine Botschaft, da bin ich mir ganz sicher."
"Na, Junge? Und nun willst Du, dass wir da mal eben hinfliegen, was? Ein bisschen auf den Putz hauen, wie?" Er knirschte mit den Zähnen. "Keine schlechte Idee. Mal sehen, welche Weltraumwürmer wir wecken, wenn wir da mal ein paar Steine umdrehen!"
*** einige Cronaten später ***
Endlich, die erste Begegnung mit Außerirdischen aus den Plejaden! Wie lange hatten die Menschheit und andere Völker davon geträumt. Nun wussten sie, dass sie in der Milchstraße nicht allein waren.
"Senden Sie Grußbotschaften auf allen Frequenzen! Die Antwort aus dem Übersetzungscomputer sofort auf den Schirm!"
Captain Scott Bradley wartete gespannt, bis das Bild auf dem Monitor erschien. Der Außerirdische war klein, leuchtend grün, hatte riesige Augen, einen großen, ovalen Kopf mit spitzen Ohren und ein kleines, spitzes Kinn unter einem humorlosen Mund.
"Seid gegrüßt, Fremde", bemühte sich Bradley um saubere Aussprache. "Wir kommen in friedlicher, äh, Mission."
Die Stimme des Fremden erklang aus dem Übersetzungscomputer:
"Wir grüßen dich nicht, du wurmfortsatzartige Lebensform namens Mensch vom niederen Planeten Erde. Wirst du wohl sofort auf die Knie fallen, du rosafarbener Abschaum mit eklen Haaren auf der Haut, oder müssen wir vorher eure plumpen Städte zertreten?"
"Ich glaube", sagte Bradley ruhig und gab dem Feuerleitoffizier ein geheimes Zeichen, "wir haben uns missverstanden: Wir sind friedliebende Wesen. Und würden uns über einen Gedankenaustausch auf gleichgestellter Ebene freuen." Er entblößte zwei berylliumlegierte Zahnreihen. "Aber nur auf einer solchen."
"Rundohrige Sackgasse natürlicher Auslese! Nenn mir einen Grund, warum wir euch nicht sofort zu atomarem Brei zermalmen sollten, du schwuchteliger Abkömmling einer fettleibigen Hure."
Bradley zögerte kurz, dann fauchte er: "Feuer!"
(Zu diesem Zeitpunkt wusste seine Mannschaft noch nicht, dass Bradley in der Nacht zuvor heimlich den Übersetzungscomputer manipuliert und die Menschheit damit in die grässlichste Schlacht seit dem Massaker der singenden Plasmajets von Ciceronicus Gamma gestürzt hatte.)
Bradley grinste fies. Admiral Hogan war ein guter Lehrer gewesen.
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