Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

Scott Bradley - Science Fiction Satire Scott Bradley - Weltraumabenteuer Scott Bradley - Science Fiction Parodie Scott Bradley - Sci Fic Satire Scott Bradley - Funny Science Fiction
Scott Bradley - Science Fiction Satire Scott Bradley - Science Fiction Parodie Scott Bradley - Funny Science Fiction


Mission 04

Die Mutanten des Untergrunds

Von Andreas Winterer

Glaubte man den erst neulich veröffentlichten geheimen Tagebüchern des derzeitigen Gottes, so ging es den Bewohnern der Galaxis eigentlich recht gut.

Die Macht lag zwar in der Hand verstreuter Königshäuser mit debilen Oberhäuptern, doch die meisten reichen und privilegierten Leute waren mit sich im Allgemeinen und ihrem persönlichen Reichtum im Speziellen ziemlich zufrieden. Zumal sie neben Medien und Streitkräften auch die Wasser- und Sauerstoffversorgung in der Hand hatten und deswegen kaum mit echten Problemen seitens der restlichen Bevölkerung rechnen mussten.

Klar, unter den weniger gut Betuchten gab es Ausnahmen. Die ewig maulenden Quertreiber, wie man sie überall finden kann, wo es feucht und schmutzig ist. Aber selbst dort, wo ständig geschlechtskranke Despoten mit dem Diktat der Gnadenlosigkeit regierten, blieben die Leute cool und entspannt und niemand regte sich groß auf. Jedenfalls niemand, dem sein Leben lieb war. Das lokale Unglück währte ohnehin oft nur solange, bis der Tyrann von seinem Nachfolger gemeuchelt wurde. Der rief dann wochenlange Feierlichkeiten aus, versprach neue Annehmlichkeiten und blühende Landschaften, bestach die Profinörgler von der Presse mit Lachskanapees und sauren Weinen (Restposten von Vernissagen) und führte dann die Regierung im alten Stil weiter.

Sicher, hier und da gab es auch einen kleinen Aufstand, ein Scharmützel, bei dem sich eine Kolonie völlig zu Unrecht gegen die Erhöhung von Mehrwertsteuer, Solidaritätszuschlag und Antiterrorpauschale auflehnte.

Und vielleicht musste auch der eine oder andere aufsässige Planet mal daran glauben, der es sowieso nie in die Geschichtsbücher geschafft hätte. Welche ohnehin in jeder Legislaturperiode neu geschrieben wurden.

Aber letztlich gab es keinen, der die gefürchteten Kampfflotten mit ihren mächtigen Raumfregatten und todbringenden Abschlachtschiffen ernsthaft herausgefordert hätte. Zumindest keinen, der bei Trost war. Beziehungsweise niemanden, der nach einer Auseinandersetzung noch davon hätte berichten können.

Zeugen gab's auch nie.

*****

Ganz Galaxien?

Nein.

Eine kleine Anzahl von Terroristen war mit den Zuständen ganz besonders unzufrieden und hatte sich in den hintersten Winkeln des Reiches verschanzt. Diese Rebellen, die sich selbst mal Befreiungskämpfer, mal Widerstandsbewegung nannten, sammelten exilierte Intellektuelle, beleidigte Schriftsteller, raubmordende Kinderschänder und andere Zeitgenossen. Ihre verstreuten Stützpunkte waren streng geheim und das erklärte Ziel diverser Geheimdienstaktivitäten...

Ja, nun, äh, also, um zu Potte zu kommen: Scott Bradley arbeitete zufälligerweise inzwischen beim Geheimdienst. Beim Militär rannten nämlich derartig viele verweichlichte Schwuchteln herum, dass er genervt den Dienst quittiert hatte und es bei den ganz harten Jungs mit den dunklen Sonnenbrillen versuchen wollte. Dank guter Kontakte zur Mätresse des Geheimdienstchefs hatte er gleich recht gut einsteigen können, Gehaltsklasse A13.

Wobei 'gut' relativ war. Er musste sich nur kurz überlegen, ob der Job für ihn taugte. Raumschlachten hatten schon was für sich, vor allem das anschließende Plündern, Morden und Brandschatzen, bei denen er im Gegensatz zu vielen anderen nicht einmal die übliche Vergewaltigung ausließ, sofern es sich um drei Kubikmeter große Schleimamöben handelte - aber das ist eine andere Geschichte.

Im Vergleich dazu war das Agentendasein fast öde. Wenn er abends nach Hause kam, fand er fast nie feindliche, weibliche Agentinnen in seinem Bett vor. Und die von gestern hatte auch noch auf einem Kondom bestanden.

Noch immer mies gelaunt, sah er sich um. Die Straße war spärlich ausgeleuchtet, wie in der nahegelegenen Station des Königlichen Verkehrs-Verbundes flackerten auch hier die meisten Lampen in fahlem Gelb.

Bradley knirschte leise mit den Zähnen.

"Wenn dieses Produkt aristokratischen Inzests mit seiner Misswirtschaft so weiter macht, wird unser Reich bald Geschichte sein."

Sein Begleiter Bill, Junior-Agent im Trainee-Programm (dritte Klasse), fuhr sich erst mit dem Handrücken über die Nase und wischte die Hand dann an der Hose ab.

"Äh. Meinen Sie den König, Sir?"

"Ja. Und keine 'Sir's' hier, mein Junge. Wir sind inkognito unterwegs."

"Zu Befehl, Sir."

Die zerlumpten Gestalten, die sich in einigen ausgebrannten Castor-Behältern vor den häufigen Fallouts und seltenen Polizeistreifen versteckten, beobachteten sie verstohlen aus den Augenwinkeln. Bradley klappte den wieder mal abgestürzten Windows-CE-Stadtplan zusammen, steckte ihn weg und suchte vergeblich Hausnummern. Die meisten Metallschilder waren gestohlen worden, und nur wenige Bewohner hatten sich einen Ersatz aus billigem Glas besorgt. In diesem Stadtteil wurde nichts ersetzt.

Junior deutete in die Wüste des Verfalls und sah zu Bradley hoch.

"Ist es das da?"

Auf der gegenüberliegenden Straßenseite prangte an einer Ruine ein Glasschild mit einem eitlen Logo. 'Revolutionäre Zelle' stand darunter.

"Ja."

Sie überquerten die Straße und umgingen dabei ein paar stinkende, umgekippte Mülltonnen.

"Das gäbe ein fettes Abendessen.", scherzte Bill und deutete auf einen beschädigten Strunzium-Container. Kurz darauf huschten mehrere graue Umrisse heraus.

Bradley verzog das Gesicht.

"Nicht in dieser Gegend. Wenn du mal richtig satt Ratte essen willst, dann geh ins Pizza Rat."

"Aha."

"Ja. Denn die Viecher in der Gegend hier kriegen zu wenig zu futtern und haben deswegen eklig dünne Knochen." Bradley schnalzte. "Die bleiben mir immer zwischen den Zähnen stecken."

Bill würgte leise.

Gemeinsam betraten sie das Grundstück. Bradley las unter 'Revolutionäre Zelle' den Aufdruck 'Sprechstunden Mo-Fr, 9:00-13:00h, Di u. Do 15:00-18:30h' und bemerkte, das sie beobachtet wurden. Sieben Kameras und die 17-Zentimeter-Mündung eines P-Brane-Blasters folgten computergesteuert ihren Schritten. Bill pfiff leise durch die Zähne.

"Ganz schön Hi-Tech für so 'ne heruntergekommene Gegend."

Bradley dachte an die miese Ausrüstung des Geheimdienstes, nickte und betätigte den Glas-Klopfer. Dann sah er zu seinem Junior hinab.

"Und?"

Bill hatte die praktische Gabe, etwa 20 Sekunden in die Zukunft sehen zu können. Es nervte Scott nicht wenig, dass er deswegen auf diesen Grünschnabel angewiesen war, der sicher noch nicht mal Sackhaare hatte.

"Keine Gefahr, Sir."

Bradley riss ihn am Ohr.

"Au!"

"Keine Sir's mehr, verdammt!"

Dann grinste er falsch die Tür an. Sie öffnete sich quietschend einige Zentimeter, und eine seltsame Gestalt mit schlohweißem Haar lugte durch den Spalt. Ihre Stimme hatte einen nörgelnden Unterton.

"Das Leben ist wie eine Unterhose."

Bradley sah zu Bill.

"Man muss viel durchmachen.", quietschte der.

Die Tür schwang auf.

"Tretet ein."

*****

Das Innere des Hauses war noch schäbiger als die Wartesäle des königlichen Amtes für Forschung und Verblödung. Blauer Schimmel wucherte aus den Ecken. 'Wände haben Ohren!'- und 'Wem kannst Du trauen?'-Poster vergilbten an den Wänden. Der kotbraune Nitsch-Teppichboden roch penetrant nach erbrochenem Kot und schmatzte urinwarm unter ihren Füßen.

Der Mann mit dem weißen Haar blinzelte verkniffen.

"Ich bin Thelonius. Und das ist mein Team..."

Bill bohrte verlegen in der Nase, während Bradley sich den kleinen Kreis seltsamer Gestalten ansah und wieder einmal am System zweifelte: Vor einem Einsatz gegen diese blassen Penner hatten sich die Doppel-Null-Agenten gedrückt? Nicht zu fassen!

"Bradley. Scott Bradley. Und das ist Bill, äh..."

"Clinton", half der Junior.

Thelonius deute auf einen Mischling mit deutlich Mungolischem Einschlag.

"Das ist Ming. Er ist Telekinet: Anders hätte er nicht überleben können."

Ming hatte statt der Arme nur Stümpfe, offensichtlich hatte sein leiblicher Vater eine dieser großen blauen Potenzpillen geschluckt, bevor er Mings Mutter gegen ihren Willen geschwängert hatte. Ming schien noch andere Krankheiten zu haben: Zwei Schläuche führten von seinem Hals zu einem Tropf, der wie von Geisterhand gehalten neben ihm in der Luft hing.

Zur Demonstration seiner Kräfte hob Ming kurz die beiden Neuankömmlinge hoch, ohne auch nur mit der Miene zu zucken. Bradley schluckte schwer, als er sie wieder absetzte.

"Allerdings nimmt seine Kraft zum Quadrat der Entfernung ab.", erklärte Thelonius. "Und wir können uns das nicht erklären, denn Pierre hier", er deutete auf einen schwarzhaarigen Schönling, der eine blau verspiegelte Sonnenbrille trug und starr geradeaus zu blicken schien, "ist als Telekinet zwar schwächer, kennt aber keine räumliche Begrenzung für seine Kraft."

"Soso. Sachen gibt's", brummelte Bradley.

Thelonius fuhr ungerührt fort.

"Theoretisch könnte er einen Stein vom Mond hier her holen, wenn er stärker wäre. Er scheint blind zu sein, aber blind sind nur seine Augen. Irgendwie kann er alles sehen, auch wenn es hinter Wänden verborgen ist."

Schweißperlen bildeten sich auf Bradleys Stirn. Er versuchte verzweifelt, nicht an das aufblasbare portable Waffenlager unter seiner Bomberjacke zu denken.

"Außergewöhnlich, sozusagen", sagte er heiser. "Stört es Sie, wenn ich rauche?"

"Nur zu."

Bradley kramte eine Especiales aus der Brusttasche, entzündete ein Streichholz an seinen Nasenhaaren und paffte die Zigarre an.

Thelonius strich einem blauäugigen Kind von etwa zwölf Jahren über das blonde Haar.

"Und dieses Kind hier..."

"Na, Junge", paffte Bradley, "kannst Du etwa Löffel verbiegen?"

Der Junge sah ihn böse an. Thelonius schüttelte den Kopf.

"Er kann nur töten. Er verbrennt den Leuten das Gehirn, indem er ..."

Bradley hustete und deutete entschuldigend auf seine Zigarre.

Der Weißhaarige fuhr fort.

"...indem er es ihnen mit einer Flut von kaputtem Denken überschüttet, und das im MTV-Stil mit Techno ab 180 Beats per Minute, wahlweise auch mit Modern Talking oder Kelly Family. Er ist ein telepathischer Sender, wenn man so will. Aber kein besonders feinfühliger ... ähem. Lag wohl an der Erziehung."

"Schlimm", sagte Bill und klang ehrlich betroffen.

Bradley wunderte sich. War der Junior am Ende wenigstens ein guter Schauspieler?

"Ja, äh.", brummte Scott. "Ein Opfer unserer Gesellschaft, sozusagen."

"Gewissermaßen." Thelonius warf einen konzentrierten und leicht geistesabwesenden Blick auf Bradley und Bill.

Dann zog er in Sekundenbruchteilen eine Atompistole. Doch Bill, der Hellseher, war schon in der Luft, um sie ihm aus der Hand zu treten, und zog zeitgleich seine Waffe. Scott Bradley hob eine wertschätzende Augenbraue: Aus diesem Bill konnte vielleicht doch noch was werden. Dann sah er das vor Anstrengung verzerrte Gesicht des blonden Jungen - Bill schrie auf, stürzte zu Boden und leerte sein Magazin geifernd und mit letzter Kraft in Richtung des Jungen, der getroffen zusammenbrach. Bradley tauchte ab und wand die Atompistole aus Thelonius' Händen, doch sofort wurde die Pistole schwer wie Blei.

Ming!

Bradley rammte seinen Stiefelabsatz auf den Boden und richtete die Schuhspitze auf den Telekineten. 25 Nadeln fauchten in Mings Körper, gefüllt mit dem tödlichem Gift aus dem Knochenmark belgrumbianischer Sumpfmonster. Von Bradley höchstpersönlich abgefüllt.

Scotts Schießeisen im Nasenloch, keuchte Thelonius: "Hören Sie auf, Mann!"

"Sie haben angefangen!", bellte Bradley. "Und mein kleiner Kollege ist auch hinüber." Bill lag reglos am Boden und sabberte, Blut rann ihm aus den Ohren. "Also, Thelonius, sagen Sie mir: Warum sollte ich Sie nicht abknallen? Was sollte dieser sinnlose Ausfall?"

"Ihr Hellseher hatte eine Vision, wie Ihre Zigarre, diese getarnte Knarre, gleich in meine Richtung schießt. Und da ich hier der Gedankenleser bin..."

Bradley spie den Stumpen aus dem Mund und zermalmte ihn am Boden.

"Sieht das wie 'ne Kanone aus? Der Grünschnabel hat sicher nur phantasiert! Glauben Sie etwa, ich hebe Ihr dreckiges Nest aus, wenn ich so 'nen Anfänger dabei habe? Mann! Ich dachte, Sie können Gedanken lesen?"

Thelonius ächzte hilflos.

"Kann ich auch. Aber bei Ihnen klappt es irgendwie nicht..."

"Liegt sicher daran, dass ich mir im Dienst nicht allzu viele Gedanken mache..."

Bradley schleuderte Thelonius angewidert zu den anderen. Pierre saß schweigend da und sah im Rahmen seiner Möglichkeiten zu. Ming lag am Boden, sein Körper zuckte noch ein wenig. Bill röchelte ein letztes Mal, dann starb er. Auch der blonde, blauäugige Junge war in seinem jetzigen Zustand kaum mehr geeignet, Modell zu stehen für die Packungsphotos von Zwieback und Kinder-Schokolade, so dass die Finanzierung seines grundgesetzlich zugesicherten Kindergartenplatzes, die ohnehin in den Sternen gestanden hätte, nun endgültig perdu war.

"Ist ja erbärmlich. Ihr Anfänger! Das soll ein Widerstandsnest sein?"

"Jeder Staat hat die Rebellen, die er verdient.", wehrte sich Thelonius schwach.

Bradley sinnierte kurz, dann hatte er sich entschieden.

"Das werden wir ändern."

Und so kam es, dass Scott Bradley in den Untergrund ging und Terrorist wurde. Entschuldigung: Widerstandskämpfer.

 

Funny Science Fiction - Satire Parodie - Scott Bradley Comic (C) chris - www.chrismart.de