Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

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Mission 07

Kampf mit der inneren Sicherheit

Von Eric Boerner

Scott Bradley zog die vengarianische Zigarre aus der Vagina der Staatsratsvorsitzenden. Myriade Winzinsky stöhnte erregt. Gerade wollte er sich die Zigarre in den Mund stecken und "Hmm, schmeckt lecker!" sagen, als sich das verdammte Ding langsam in seine Bestandteile auflöste. Ein Geruch von Buttersäure vermixt mit parfümiertem Intimspray überlagerte das dunkle Timbre der Vengariana, deren Tabakblätter von Jungfrauen im Licht des Vollmonds gepflückt worden waren.

"Hättste das nicht vorher sagen können, Du Schl... äh... Freifrau Winzinsky!", ranzte Bradley sie an.

Die Staatsratsvorsitzende starrte verzweifelt in Richtung des mit Flecken übersäten Knüpfteppichs, auf dem das Siegel des Neuen Imperiums kaum noch zu erkennen war. "Verzeiht, Euer Hoheit, aber in Ihrer Nähe werde ich immer gleich so feucht, und als Ihr mit der Zigarre,.. ja,.. äh,.. (seufz), da hatte ich meine Ejakulation und dadurch..."

Bradleys Kopf schwoll durch einen plötzlichen Blutandrang auf die doppelte Größe an und schien sich für einen Moment in einer gewaltigen Explosion im Dreieckigen Office verstreuen zu wollen.

"Der einzige, der hier eine Ejakulation zu bekommen hat, bin ICH!", brüllte Bradley so laut, dass die tritaniumgepanzerten Schutzplatten des Raumes in ihren Verankerungen klapperten.

"Verzeiht, Euer Hoheit, ich wollte wirklich nicht....", flüsterte Myriade, während Blut aus ihren Ohren sickerte. Die Trommelfelle waren leider nicht tritaniumgepanzert gewesen.

"RAUS!", brüllte Bradley.

Eine Panzerplatte hatte endgültig den Sicherheitsstandard aufgegeben und schlug krachend auf den Boden. Schreiend rannte Myriade aus dem Office und wäre beim Hinauslaufen fast über Benna gefallen, der versucht hatte, am schalldichten Eingangsschott zu lauschen.

"Penner, herkommen!"

Benna kroch auf Knien zu Bradley, wobei er sich von Zeit zu Zeit in voller Länge auf den Boden warf, um dann noch demütiger weiter zu kriechen.

"Lassen Sie diesen Quatsch, Penner. Die Zeiten des Alten Imperiums sind endgültig vorbei."

"Schon gut, Euer Herrschaftlichkeit." Er wischte sich die blutende Stirn. "Aber die Hofetikette!"

"Diesen Bockmist habe ich doch erst letzte Woche außer Kraft gesetzt."

"Ja, großer Sieger vor Hyacinthus Z, und deshalb hat die Hofetikettenkommission in fieberhafter Arbeit eine neue Etikette erarbeitet, die gerade erschienen ist."

"Sofort wieder außer Kraft setzen!"

Erleichtert richtete sich Benna auf. Das Stenopad zückend, setzte er sich auf seinen kleinen Stenochair neben dem herrschaftlichen Schreibtisch und begann zu notieren.

Bradley faltete die Arme hinter dem Rücken zusammen und stellte sich in Positur.

"Das mit dem Bockmist haben Sie?"

"Jawohl, großer Held von Origami B!"

"Und gewöhnen Sie sich endlich ab, meine leichten Siege über diese Hampelmänner des Alten Imperiums zu erwähnen. Kaiserliche Hoheit genügt vollkommen."

"Jawohl, Kaiserl... Euer Hoheit!" Benna zitterte. Fast hätte er einen unverzeihlichen Fehler begangen.

Aber Bradley grinste nur verächtlich. "Freifrau Winzinsky ist sofort zu entlassen!"

"Aber, großer Aufräumer unter den Kakerlaken von Wysiwyg V, sie ist gewählte Vertreterin des Staatsrats."

"Mir doch wurst", dröhnte Bradley und zückte eine neue Zigarre. "Nur weil sie alle Glimmstengel der Wahlkommission nass gemacht hat, ist sie noch nicht demokratisch gewählt." Angewidert steckte er die Zigarre wieder zurück. "Raus mit ihr und Schluss!"

"Jawohl, oh Befreier der niedrigen Schlammhüpfer vom Planet der Molche! Ich werde dann gleich eine Pressekampagne starten, die Winzinsky mit den verschiedenen Mitgliedern der Wahlkommission in verfänglichen Positionen zeigt."

Bradley hob erstaunt den Kopf. Dieser Penner dachte ja mit. Dann wanderte sein Blick über die Wände des Dreieckigen Office. Hoffentlich waren wenigstens hier keine versteckten Kameras angebracht, die jede Hüftbewegung in hochauflösendem Hyper3D-Verfahren in die Zentralen der Inneren Sicherheit übertrug.

*****

Sicherheitsbeauftragter Starrbold Lug staunte nicht schlecht, als die Übertragung aus dem Dreieckigen Office plötzlich abbrach. Enttäuscht stopfte er seine Nudel in die Uniformhose zurück. Dann machte er Meldung.

Die technische Abteilung der Inneren Sicherheit kam schnell zu dem Schluss, dass sich ausgerechnet die Panzerplatte mit der versteckten Kamera aus der Verankerung gelöst und dieses Wunderwerk moderner Schrumpftechnik unter sich zermalmt hatte.

Eine mittlere Panik brach aber erst los, als sich die Meldung herumsprach, dass der neue Imperator Freifrau Winzinsky entlassen hatte. Ausgerechnet die letzte Agentin der Inneren Sicherheit im Staatsrat war damit durch einen dummen Zufall außer Funktion gesetzt. Alle anderen Versuche, Spione in den engen Kreis der harten & kriegserprobten Männer aus Bradleys Kampftruppe einzuschleusen, waren schon im Ansatz gescheitert. Entweder hatten sie sich nach einem freundschaftlichen Klaps des Imperators die Kiefer gebrochen, oder sie lagen mit schweren Alkoholvergiftungen in den Militärhospitälern und konnten sich anschließend an nichts mehr erinnern.

Die eilig anberaumte Krisenkommission entschloss sich, zum Gegenangriff überzugehen und alle verfügbaren Materialien aus Bradleys Sexualleben an die Öffentlichkeit weiterzuleiten.

Am nächsten Tag flimmerten die Eskapaden des Imperators, wie auch die der ehemaligen Staatsratsvorsitzenden, über alle Kanäle. Einige Pornosender gingen in der darauffolgenden Woche auf Grund des Konkurrenzdrucks mit den Nachrichtenmagazinen in Konkurs.

*****

Selbst von den unteren Rängen wurde Leutnant Schmidt nur Spürhund genannt. Er trug diese Bezeichnung als Ehrentitel für seine Fähigkeit, auch noch nach längerer Zeit Funkstrecken an Hand ihrer unverwechselbaren Photonensignaturen zurückverfolgen zu können.

Natürlich hatte Bradley beim Zurückwuchten der Panzerplatte die kläglichen Überreste der versteckten Kamera gefunden und den Spürhund auf diesen Fall angesetzt. Und während die Presse noch mutmaßte, dass sich der Imperator wegen ihrer haarsträubenden Berichte in eine andere Galaxis verkrochen hätte, saß dieser zusammen mit Spürhund an den Kontrollen eines imperialen Kleinkreuzers und näherte sich unaufhaltsam dem Zentralplaneten der Inneren Sicherheit.

"Hast du diese schleimigen Drecksäcke endlich?", fragte Bradley, der langsam ungeduldig wurde.

"Moment, Alterchen.", murmelte Spürhund konzentriert. Bradley knurrte vergnügt, weil ihn wenigstens einer nicht mit dieser Hoheitsscheiße bombardierte. "Es kommen nur noch zwei Planeten in Frage: Roh Tau Zeugma im Porko-System oder Milliwinz 5, auch der Versteckte Planet genannt, weil er so schwer zu finden ist. Bisher weiß man noch nicht einmal, ob er sich überhaupt in einem Sonnensystem befindet."

"Ist das etwa der Planet, von dem die Innere Sicherheit immer behauptet hat, es gäbe ihn gar nicht?"

"Genau!"

"Das ist er!", stieß Bradley hervor. "Das hab ich im Urin!"

"Vorsicht! Es kann sich auch um ein Täuschungsmanöver der IS handeln, um von Roh Tau Zeugma abzulenken."

"Dann ist es Roh Tau. Ich spür' so ein Kribbeln..."

"Lass uns noch das Photon abwarten, das hundert Parsek vor uns herumdümpelt. Dann sind wir ganz sicher."

"Okay, Spürhund, Du bist der Boss!"

*****

Der oberste Sicherheitsbeauftragte Starrbold Lug staunte nicht schlecht, als er plötzlich den Schatten eines imperialen Kleinkreuzers auf dem Schirm hatte. Der Kater wegen der gestrigen Feier anlässlich seiner Beförderung verflog auf einen Schlag. Eine Sekunde später heulte roter Alarm überall auf dem künstlichen Kleinplaneten auf.

Dem Führer der Inneren Sicherheit fiel vor Schreck die Zigarre aus der Hand, die er gerade in Myriade Winzinskys Unterleib zu stecken beabsichtigte. Die Gute wollte es wenigstens in der Inneren Sicherheit noch zu was bringen.

"Okay, ihr schleimigen Drecksäcke, lasst mal die Hosen runter, ich will ein paar Takte mit euch reden.", hallte es aus den Lautsprechern sämtlicher Funkgeräte. Der Führer der IS zog schnell seine Hose hoch und eilte zum Videophon.

"Oh, Euer Erhabenheit, großer Imperator Scott I. Wir ergeben uns. Lassen Sie uns miteinander verhandeln, wir bringen das schon wieder in Ordnung.", säuselte er in das Gerät.

"Okay, bereitet schon mal alles vor, ich komm runter!"

Mit einem Druck auf einen verdeckten Schalter veranlasste der Führer der IS die Geheimtruppe BSG, in Stellung zu gehen. Sobald Bradley den Planeten beträte, würde er von explosiven Stahlmantelgeschossen in sämtliche Atome zerfetzt werden. Dann könnte die IS endlich ihr von langer Hand geplantes Sicherheitsregime an die Macht bringen. Sicherheit für alle! und das auf Schritt und Tritt und in jeder Lebenslage.

Die Schutzschirme von Milliwinz 5 gingen runter, und die Landeplattform wurde ausgefahren. Überall leuchteten riesige Lichtspiele auf, die den Neuen Imperator willkommen hießen und seine großen Schlachten priesen.

Der so gefeierte imperiale Kleinkreuzer spuckte plötzlich aus allen Rohren. Dreiköpfige Phontronen-Torpedos schossen auf den Planeten zu. Triadische Megabomben zischten durch das Weltall. Magmalaser dampften Öffnungen in die Oberfläche, um diesen Geschossen einen Weg ins Innere des Miniplaneten zu bahnen.

Scott Bradley vollführte mit dem Schiff eine verzögerungsfreie 180-Grad-Wende und jagte mit Höchstbeschleunigung davon. Der Kreuzer ächzte und knirschte in allen Präzisionsschweißnähten - aber er hielt. Schließlich handelte es sich um eine Spezialanfertigung nach Bradleys höchsteigenen Skizzen.

Sekunden später brüllte ein gewaltiger Lichtblitz durchs Weltall. Jahrmillionen später sollten unterentwickelte Völker auf noch unterentwickelteren Planeten diese Himmelserscheinung als ein Zeichen für das Kommen eines neuen Messias deuten.

Spürhund sah Bradley mit nachdenklichem Gesicht an. "Boah, Alter, mit den Schleimbeutlern bist du ja damals vergleichsweise freundlich umgegangen."

"Schleimbeutler zeigen einen auch nicht mit heruntergelassener Hose.", sagte Bradley ruhig und griff gewohnheitsmäßig nach einer Zigarre. Ein Ekelgefühl übermannte ihn.

So kam es, dass Scott Bradley das Rauchen aufgab.

 

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