Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

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Mission 08

Massaker der matschigen Androiden

Von Andreas Winterer

Imperator Scott Bradley war hart, aber gerecht. Er regierte ohne Gnade, aber weise. Er gab sich ehrlich, doch nicht naiv. Denn er war verschlagen, aber frei von Falschheit. Alles in allem ein Top-Imperator, der es selbst dann in die Geschichtsbücher geschafft hätte, wenn er nicht zufällig auch ihr Verleger, Herausgeber und Lektor gewesen wäre.

Manchmal jedoch gingen ihm die Nerven durch.

"Raus hier! Alle raus hier!"

Bradley kickte einen herumliegenden Roboterschädel namens 790, der ständig wimmernd eine Tusse namens Zev anhimmelte, gegen die Wand. Der Lakai hielt wieder das Paar samtener Strumpfhosen hoch, das Bradley so in Rage gebracht hatte.

"Aber Mylord ... die herrschaftlichen Strümpfe sind seit jeher das Symbol ..."

"Sag mal, Du kleiner Penner: Hast Du Kresse in den Ohren?"

Scott Bradley umfasste mit seiner rechten Hand den Schädel des Lakaien und drehte ihn und den zugehörigen Körper mühelos in Richtung der Tür.

"Da hat der Maurer die Druckschleuse gemacht. Raus!"

Der Lakai zögerte und wollte sich protestierend umdrehen, da folgte der unvermittelte Tritt aus Bradleys Richtung. Da Bradleys Kampfstiefel für sich genommen schon so viel wogen wie der Diener, flog dieser im hohen Bogen durch die Schleuse und purzelte in den Gang der imperialen Residenz. Die Schleusentore schoben sich ineinander und schnitten sein Wimmern ab.

Nilrem rieb sich stirnrunzelnd den wallenden Bart. Bradley warf einen Blick auf das Kostüm seines Beraters, ein mit goldenen Monden und Sternen bestickter Umhang, und schaute ihm dann zornig in die Augen.

"Was gibt's da zu stirnrunzeln, Nilrem?"

"Ihr werdet dem miesen Ruf, den Imperatoren gemeinhin genießen, schneller gerecht, als selbst die pessimistischsten Spötter glaubten."

"Ich hab mich um den Job nicht gerade gerissen, Zauber-Opa. Du erinnerst Dich?"

"Kein Grund, ihn nun lausig zu erledigen."

"Lausig arbeitet hier nur einer. Ich habe Dich als Berater engagiert, also berate mich gefälligst; aber behalte Deine Meinung für Dich! Wenn ich jemanden brauchte, der an mir rumnörgelt, dann müsste ich nur die Journalisten wieder aus den Kerkern lassen."

"Gott bewahre!"

"Na also."

Während dieses Gesprächs marschierte Bradley nervös auf und ab, kratzte sich den rasierten Hinterkopf, äugte mal hierhin, mal dorthin und zischte zwischendurch mal "Gna!".

Nilrem schwieg und kraulte sich den Bart. Gedankenverloren schaute er zu, wie Scott, die Wände seines imperialen Büros abschritt wie ein gefangener Tiger die Grenzen seines Käfigs.

"Schluss damit! Gib mir die Schlüssel."

"Seid Ihr sicher, Mylord?"

"Ja. Und bitte keine 'Mylord's, wenn keiner außer uns da ist. Schon schlimm genug, dass ich das den ganzen sonstigen Tag..."

Nilrem reichte ihm einen Schlüsselbund.

"Zu Befehl, M... hmm, und, äh, was die drohende Invasion der Androiden angeht ..."

"Die haben wir ja wohl erfolgreich niedergeschlagen, oder?"

"Ich bin mir da nicht so sicher. Nach den Wellblechrobotern und den Androiden mit fleischfarbener Plastikverschalung kamen ja immerhin solche mit echtem Fleischanteil, und ..."

"Papperlapapp. Ich brauche Gegner, keine Aufziehfrösche. Nun geh und bringe mir eine Flasche GlennNGC8273546 aus dem Keller."

"Aber Mylord, ich würde..."

"Ich wiederhole selten einen Befehl. Also denk an das Schicksal Deines Vorgängers und stell die Läufe an!"

*****

Als Nilrem wieder das imperiale Gemach betrat, schlug ihm dichter Rauch entgegen. Die Schublade des Schreibtisches war geöffnet, der Schlüssel steckte noch.

Bradley grinste wie ein Zirkuspferd und dampfte aus den Ohren. Die Havanna zwischen seinem Zeige- und Mittelfinger bestand bereits zu einem Viertel aus Asche.

"Ah! Hi Nilrem." Er wirkte entspannt. "Hast Du den Stoff?"

Nilrem nickte und schwenkte zwei Flaschen.

"Ja, Commander. Und ich dachte, ich nehme gleich eine zweite mit. Sammle in der Zeit, dann hast Du in der Not."

"Zwei Flaschen? Sehr gut, dann brauchen wir keine Gläser. Gib mir eine."

Bradley entfernte die Korken mit seinen Eckzähnen, gab Nilrem eine der Flaschen und prostete ihm zu.

"Salut! Auf das Imperium! Und auf alle erwachsenen rothaarigen Weiber!"

Nilrem zeigte ein Lächeln.

"Ja! Genau! Darauf!"

Bradleys Pupillen weiteten sich. Sie stießen an. Während Nilrem die Flasche an die Lippen setzte, griff Bradley nach dem Protonenresonanzblaster, den er in der nie zugewachsenen Wunde einer alten Kriegsverletzung versteckt hielt, ließ den Sicherungshebel schnappen und zielte auf Nilrem.

Der spuckte in die Flasche.

"Majestät! Seid Ihr über..."

"Nein. Du bist über... und zwar ...flüssig!"

Und Bradley drückte ab.

*****

Kurze Zeit später trugen die Wachen die Leiche ins Labor. Der echte Nilrem sah bedrückt zu und rieb sich gedankenversunken die Beule an seinem Hinterkopf.

"Woher wusstet Ihr, dass nicht ich es war?"

"Ich hab's mal wild drauflos vermutet."

Nilrem schluckte. Bradley grinste.

"Ein Scherz. Wir stießen auf Rothaarige an. Zufälligerweise..." Bradley schwenkte eine Akte, während sie nun den Wachen ins Labor folgten, "...zufälligerweise kenne ich dank unseres Geheimdienstes nicht nur Deine Abneigung gegen rothaarige Frauen, sondern auch Deine Vorliebe für..." Bradley schüttelte sich, "...blutjunge blonde Bübchen."

Nilrem wurde rot, als Bradley ihm mit der Akte auf die Brust schlug, den Hefter aufklappte und ihm die Fotos zeigte.

"Sir, Mylord, ich würde nie ... das sind natürlich keine echten Jungen."

Bradley packte den Kram wieder zusammen.

"Ich weiß, ich weiß."

Vor der Tür des Labors blieb Bradley stehen und sah ihm tief in die Augen. Dabei furchte er seine Stirn, als wolle er darin einen Kugelschreiber festhalten, und drohte mit der Akte.

"Krank ist das trotzdem. Merk Dir: Ich dulde keine Schwuchteln in meiner Armee! Und erst recht keine Kinderschänder! Wenn Du was junges brauchst, nimm wenigstens einen Lolitaboter, wie sich das gehört!"

"Ja, Sir."

"Und keine 'Sir's' hier, wir..."

Ein Lautsprecher unterbrach sie, den Gang mit Low Fidelity zudröhnend.

'Imperator Bradley und imperialer Berater Nilrem bitte ins Labor.'

Bradley drehte sich zur Tür und drückte den Knopf. Knirschend und enervierend langsam fuhren die schweren Titaniplastplatten zur Seite.

"Ich wünschte zuweilen, wir hätten wieder Türen, so wie früher... Ah, imperialer Pathologe Hubermann."

Der Pathologe mit dem ehemals lindgrünen, jetzt blutgetränkten Kittel und einer rechteckigen Hornbrille deutete schweigend eine Verbeugung an. Bradley winkte ab.

"Schon ein bisschen in ihm herumgestochert?"

Hubermann nickte, beugte sich vor und zerrte mit bloßen Händen sieben Kilo Innereien aus einem großen Plastikbottich.

"Ja. Das alles hier hab ich aus ihm herausgeholt." Er zog die Nase hoch. "Diese verflixten Typen werden immer raffinierter."

"Soso. Äh, und wieso kam er überhaupt durch den Metalldetektor? Ich dachte, wir wären jetzt sicher?"

Hubermann winkte, und Bradley und Nilrem folgten ihm zu einem Seziertisch. Misstrauisch beäugte Nilrem seinen Doppelgänger, aus dessen aufgesägtem Schädel eine gelb-graue, schleimige Masse heraushing.

"Sehen Sie: Innereien. Sogar ein echtes Hirn - das übrigens ebenso wenig funktioniert wie die Pseudo-Innereien, eine üble Mischung aus Schweine- und Rinderdärmen. Diesmal ist der Biokram noch getürkt, aber wer weiß..."

Bradley nahm den Stumpen aus dem Mund und aschte dem Toten ins Nasenloch.

"Ist okay, Düsentrieb, kenn' ich alles vom letzten Modell. Aber warum kam der hier durch den Metalldetektor? Das kommt mir spanisch vor."

Hubermann räumte ein zwei schwabbelige Lungenflügel beiseite. Eines geriet auf dem glitschigen Blut in Fahrt und segelte in hohem Bogen vom Seziertisch, wobei es wabbelte wie grüne Götterspeise.

"Da. Sehen Sie? Kein Metallskelett mehr."

"Ein Androide ohne Metallskelett?"

Hubermann filetierte einen Knochen aus dem Arm heraus und ließ ihn gegen die Blechlampe über ihnen krachen.

"Eine Keramikart. Sehr stabil, ein bisschen brüchiger vielleicht, aber sonst hervorragend geeignet. Fast schon wie Knochen."

"Und die Stromversorgung?"

"Das Hirn arbeitet auf Glasfaserbasis, keine Drähte mehr. Die Muskeln sind biologisch geklont und werden chemisch gesteuert."

Nilrem betrachtete interessiert ein herumliegendes Datenblatt. Bradley qualmte nachdenklich vor sich. Dann:

"Na, und wenn wir Keramikdetektoren bauen?"

"Sorry, Mylord, das geht nur mit Metall. Keramik hat nicht die Eigenschaft, elektrische Felder zu stören."

"Soso, elektrische Felder also. Na, ihr seid ja die Eierköpfe. Ich bin ja bloß der Imperator. Also erfindet mal was schönes. Ordonnanz!"

Eine rothaarige Frau mit üppigen Kurven eilte herbei.

"Jep?"

Man sah ihren Mundwinkeln nur zu deutlich an, dass sie es keineswegs begrüßte, Handlangerdienste für Bradley zu verrichten.

"Ich will in zwanzig Minuten essen. Steaks, und diesmal bitte noch blutiger als gestern. Das ganze im Schelling-Salon. Und ich will die Hampelmänner vom Ministerrat sehen. Alle!"

"Na, wenn Sie unbedingt wollen, Imperator..."

Zähneknirschend zog die schmolllippige Ordonnanzoffizierin ab, wobei Bradley ungeniert ihren wippenden Hintern taxierte und sich die Kleine für kommenden Dienstag vormerkte.

Dann wandte Bradley sich Nilrem und dem Pathologen zu.

"Euch beide will ich da auch sehen. Und bringt diesen blechlosen Blechhaufen mit."

Nilrem steckte die Fotos wieder weg.

"Um Himmels willen! Die Sache mit den Androiden war bis jetzt streng geheim! Ihr wollt doch nicht etwa..."

"Und wie ich etwa will."

*****

"Die Hinweise verdichten sich, dass die Androiden, wo auch immer sie herkommen, immer raffiniertere Formen entwickeln und auf diese Weise immer menschenähnlicher werden. Interessant sind vor allem die Mimikrytechniken, bei der sich analog zu den..."

Bradley stand auf.

"Genug gequatscht, Hubermann. Eine ernsthafte Bedrohung also. Diese Sausäcke ersetzen Leute in wichtigen Positionen! Und die nächsten Modelle werden von echten Menschen nicht mehr zu unterscheiden sein..." Er schlug mit der Faust in seine Handfläche. "Das muss aufhören!"

Nilrem räusperte sich. Bradley sah auf.

"Ja, mein Junge?"

Nilrem trat aus dem Schatten des Stützpfeilers für den imperialen Adler über ihnen, warf die Kapuze, die sein Gesicht verdeckt hatte, mit beiden Händen nach hinten und nickte finster.

"Wenn wahr wäre, was er sagt, dann können wir schon jetzt nicht mehr sicher sein, wer Mensch ist - und wer Androide."

Geheimdienstchef Ehnboom meldete sich zu Wort.

"Ein guter Punkt. Die Frage ist nur: Was ist der Unterschied?"

"Wie bitte?" Nilrem warf ihm düstere Blicke zu.

"Sie haben schon ganz richtig gehört: Was ist der Unterschied? Alle Androiden, die wir bis jetzt gefunden haben, haben sich in ihrem Verhalten in nahezu nichts von ihren Vorgängern, ihren Originalen unterschieden."

"Oh doch." Bradley knirschte mit den Zähnen. "Es sind nämlich nicht ihre Vorgänger, sondern nur Doppelgänger!"

"Nur Doppelgänger, aber solche, die zukünftig dem Original immer genauer nachgebildet sein werden - körperlich! Geistig dagegen... es gibt da, äh, Gerüchte, wonach sie schlechte Angewohnheiten des Originals, etwa Rauchen, Sex, Bier und rohes Fleisch ablegen werden."

"Was soll daran denn schlecht sein. Und wieso reden Sie plötzlich von der Zu..."

"Hören Sie, Imperator: Diese Androiden sind vielleicht nicht als Feinde zu betrachten. Sie haben bisher nichts unternommen, was auch nur entfernt auf etwas Invasionsähnliches hinweisen würde. Vielleicht könnten wir mit ihnen auf friedvoller Basis..."

"Bla." zischte Scott dazwischen.

"Ich bin sicher, Kooperation..."

Bradley schnitt ihm endgültig das Wort ab.

"Invasion oder nicht: Dieses ölkiffende Androidengesocks kommt mir nicht in meine Galaxis!"

*****

Ruhe herrschte plötzlich im Konferenzraum. Die Minister warfen sich zunächst verstohlen, dann immer offener hämische, gemeine, kaum noch menschliche, ja geradezu androide Blicke zu.

Scott wirbelte herum. Den sonnenheiße Glutstrahl aus seiner Kernfusionspistole zischte an Nilrems Kopf vorbei und fraß sich in den Stützpfeiler des imperialen Adlers. Der imperiale Berater glotzte blöde, als das Metall neben ihm schmolz.

"Nilrem! Weg hier!" schrie Bradley.

Der königliche Berater eilte mit Bradley zur Tür. Hinter ihnen krachte der Stützpfeiler auf die eine Hälfte des Ministerrates, dann der davon gestützte imperiale Adler auf die andere Hälfte.

Keramikskelette knirschten, Rinder- und Schweineblut spritzte aus zerquetschten Leibern in den imperialen Konferenzraum und flutete ihn bis zu den Steckdosen in Knöchelhöhe.

Bradley und Nilrem ergriffen die Flucht.

*****

Die Alarmglocken schrillten durch die imperiale Residenz, begleitet von folgender Durchsage:

'Achtung: Ein gefährlicher Killerandroide, der sich als Imperator Scott Bradley ausgibt, ist den Wachen entkommen und versucht zu fliehen. Das Ding ist ohne Warnung zu eliminieren. Killt ihn, Jungs!'

Sie rannten durch die Gänge. Nilrem keuchte schwer.

"Wär' ein besseres Gefühl, wenn es nicht gerade Ihre Stimme wäre, die ich da hören würde."

"Ja."

Wortkarg rannte Bradley weiter und ignorierte auch die Monitore, auf denen sein Doppelgänger Anweisungen wie 'Erst auf die Beine, dann auf die Eier, und erst wenn er röchelt, in den Kopf schießen.' an das Wachpersonal gab.

"Hier links."

Scott joggte fröhlich um die Ecke, Nilrem folgte ihm und hielt sich die Seite.

"Ich kann nicht mehr!"

"Gleich haben wir's." Bradley stellte sich vor die Wand breitete die Arme aus. "Mach hoch die Tür oder ich reiße Dir den Arsch auf!"

'Stimme & Losung erkannt. Zugang gewährt.'

Relais klickten. Schrittmotoren summten. Erstaunt sah Nilrem, wie sich ein breites Schott zur Seite schob. Der Raum dahinter enthielt endlose Reihen von Computerkonsolen, ein riesiges Waffenlager, ein paar Regale mit Pornovideos und einen Mini-Raumbomber vom Typ Mercedes-Chrysler ANNIHIL 500 SL.

"Los!"

Bradley rannte in den Raum und ließ seine Finger über die Tastaturen huschen. "Nilrem! Steh nicht blöd rum! Siehst Du den Knopf da?"

"Den großen, roten?"

"Ja."

Die Turbinen des Mercedes-Chrysler wummerten leise los. Bradley fletschte fröhlich die Zähne: Startbereit.

"Ich sehe ihn. Soll ich ihn drücken?"

Scott grinste ihn an.

"Kannst Du Dir die Antwort nicht denken?"

"Na schön."

Nilrem drückte ihn. Sofort tauchten Speziallampen die Rampe in rotes Licht. Zusätzliche Sirenen klappten aus den Wänden und heulten auf. Eine sanfte Frauencomputerstimme erklang.

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 45 Sekunden.'.

Nilrem sah entsetzt seine Hand an, als wäre sie die Klaue eines fremden Wesens.

"Oh Gott, Bradley! Was haben Sie mich tun lassen?"

"Wuff!" Bradley deutete mit den Händen eine Explosion an. "Und Sie, Nilrem, hatten den Finger am Drücker. Na? Schlechtes Gewissen?"

"Aber Majestät! Sie können doch nicht den ganzen Planeten auslöschen!"

"Hab ich doch gar nicht."

"Aber Sie haben den Befehl gegeben!"

"Nicht mal das habe ich."

Nilrem dachte nach. Hatte er nicht, wie wahr. Bradley hatte es nur schlau eingefädelt.

"Egal, wer: Aber ein ganzer Planet?"

"Na und? Ist doch nicht meiner."

"Aber Sie sind der Imperator!"

"Ex-Imperator. Ich befinde mich seit fünf Minuten im Ruhestand."

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 30 Sekunden.'

"Aber die Selbstzerstörung wird eine Supernova auslösen und den Planeten in kleinste Stückchen zerhacken!"

"Soll ich ihn etwa den rostenden Platinenfressern überlassen?"

Bradley griff sich eine Reisetasche und stopfte Waffen, Videos und 5-Minuten-Terrinen hinein. Noch immer sprachlos sah Nilrem zu, wie Scott in die Schleuse des 500 SL stieg.

"Ja." sagte Nilrem dann.

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 23 Sekunden.'

Bradley hielt kurz inne.

"Und warum?"

"Weil... weil... weil alles Leben lebenswert ist!"

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 17 Sekunden.'

"Ihr Beratungsfritzen habt immer so schlaue Sprüche bei der Hand. Du solltest Poesiealben schreiben!"

"Aber es ist wahr!"

"Für Dich vielleicht. Aber ich bin Scott Bradley! Ich kann mich nicht um alles kümmern! Dazu ist der Typ mit dem Rauschebart da."

"Aber das Leben unschuldiger..."

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 14,9 Sekunden.'

"Na gut, Nilrem. Weil Du so ein Freund allen Lebens bist, vor allem des jungen & unschuldigen: Die Schaltung der Selbstzerstörung gibt Dir bei den Sekunden Drei, Zwei und Eins die Chance, noch einmal den roten Knopf zu drücken und damit den Nuke-O-Matic zu deaktivieren. Nutze die Gelegenheit."

"Endlich nehmt Ihr Vernunft an, Sir!"

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in circa 10 Sekunden.'

"Keine 'Sir's', verdammt! Und rechnet bloß nicht mit mir - der Imperatoren-Zirkus hat lang genug gedauert. Bye!"

Bradley grüßte militärisch, dann fiel die Luke zu. Der 4-D-Meiler heulte auf. Kleine, blaue Blitze zuckten um die Dimensionsverzerrer und hüllten das Schiff in ein Transportfeld.

'Die planetare Selbstzerstörung erfolgt in 5 Sekunden.'

Nilrem trat zurück und ging zum Schalter des Nuke-O. In den Außenkameras bemerkte Bradley, dass zur selben Zeit imperiale Soldaten in den Raum stürmten. Schüsse peitschten auf. Nilrem knickte halb zusammen, stöhnte.

'Drei... zwei....'

Dann, mit letzter Kraft, streckte Nilrems seine Hand nach dem Schalter aus. Ein Desintegratorstrahl fauchte auf und trennte seinen Arm ab, ehe er den Knopf erreichte.

Bradley sah noch, wie der Arm zu Boden polterte, dann zappte der 4-D-Antrieb den 500 SL in den Hyperraum.

*****

Als Bradley in einer Entfernung von fünf astronomischen Einheiten über der Ekliptik des Planeten wieder aus dem Hyperspace poppte, lehnte er sich zurück, legte die Füße auf die Konsole, aktivierte die Frontschirme und griff nach einer Flasche Carlsberg.

Dann zündete er sich eine Especiales an, ließ den Player eine Zappa-Platte schlucken und wartete.

Frank Zappas 'Catholic girls' donnerte gerade durchs Innere seines Mercedes-Chrysler, als das Licht des Feuerwerks ihn weniger Minuten später erreichte.

 

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