Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

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Mission 11

Seminar für Eroberer und Imperatoren

Von Andreas Winterer

Scott Bradley trat mit schweren Stiefeln gegen mehrere Miniatur-Modelle verschiedenartiger Weltraumfestungen und machte dabei nicht gerade einen zufriedenen Eindruck.

"Stümperndes Pack!" zeterte er. "Lausige Loser!"

Die Angesprochenen hatten sich nach den praktischen Übungen, die in Arbeitsgruppen zu vollziehen gewesen waren, wieder hinter die Schulbänke verdrückt. Schweigend ließen sie Kinnladen und Schultern hängen, während Scott weiterbrüllte.

"Ist das alles, was ich erwarten kann? Nach einer Woche Theorie im Kampfschiffbau? Ein paar lausige Orbitalhütten, in die selbst zahnlose, schwule Lohnbuchhalter reinkämen, selbst wenn sie blind wären, Gegenwind hätten und im Rollstuhl säßen?"

Die zahlreichen Teilnehmer des Seminars 'Theoretische und Praktische Verteidigung für Diktatoren, Imperatoren und andere kosmische Groß-Bösewichter' wichen Bradleys beinahe tödlichen Blicken aus und starrten statt dessen lieber auf die Schulbänke, um dort mit den Metallspitzen ihrer Zirkel die Namen aktueller Pop-Stars zu verewigen.

"Na schön." knirschte Bradley. "Dann eben alles noch mal von vorne. Vader, an die Tafel."

Der entsprechende Seminarteilnehmer saß in der ersten Reihe ("Ah, ein Streber!", hatte Bradley zu recht vermutet.), stand nun auf und kam nach vorne. Er trug einen schwarzen Helm, eine schwarze Gesichtsmaske und ein schwarzes Cape.

"Wahrscheinlich hat der auch schwarze Socken an!", kicherte Lex Luthor seinem Nachbarn Moriarty zu.

"Ruhe dahinten!" motzte Bradley. Dann wandte er sich Vader zu.

"Okay, Vader, skizzieren Sie doch mal kurz einen Aufriss Ihrer Todesstation an die Tafel."

"Darth." schnaufte Vader.

"Wie meinen?"

"Darth Vader." wiederholte der Schwarzgekleidete röchelnd. "Das ist mein voller Name."

Scott Bradley stemmte die Fäuste in die Hüften.

"Nun hör mal zu, Bubi. Bei mir sind alle gleich, auch wenn sie wie Du seit Jahren denselben schwitzig-schwarzen Fetisch-Fummel anhaben. Vader, Vader... soweit ich weiß, ist das ohnehin nur Dein Künstlername, oder? Und Darth ist ja sowas wie ein Titel, oder? Also blas Dich nicht auf, bei mir werden alle mit dem Nachnamen aufgerufen!"

"Darth!" beharrte Vader und keuchte durch seine Atemmaske.

"Schon' Dein Asthma und strapazier' nicht meine Geduld! Du hast die Wahl: Entweder, Du lernst und leistest hier was für die 250.000 Galactos, die Deine Eltern abgelöhnt haben, oder Du kannst - dumm wie ein Stück Antimaterie - wieder nach Hause gehen. Also?"

Vader sah Bradley drohend an. Sein Umhang wiegte auf gefährliche Weise sanft im Sternenwind. Sein Tornister blinkte unheimlich, und sein schnaufender Atem röchelte bedrohlich.

Bradley stierte unbeeindruckt zurück. Der Sternenwind blies ihm den Rauch seiner Zigarre ins gammastrahlengegerbte Gesicht. Er hatte schon Novas explodieren gesehen, als dieser Vader noch Laufbursche bei einem Schrotthändler gewesen war.

Die Maske schnarrte inhalierend.

"Unterschätzen Sie nicht die dunkle Seite der Macht!"

Bradley grinste und zeigte auf seine blank gewienerten Caterpillars aus belgrumbianischem Sumpfmonsterleder.

"Unterschätzen Sie nicht, wie stark Ihnen so ein Stiefel die Enddarm-Rosette weiten kann."

Vader schwang wortlos seinen Umhang und stolzierte davon. Vor der Tür des Seminarzimmers drehte er sich noch einmal um und drohte mit dem schwarz behandschuhten Zeigefinger.

"Wir sehen uns wieder, Bradley!"

"Jaja, red Du nur."

Bradley wandte sich der Klasse zu.

"Okay, wer will für uns alle mit der Analyse von Vaders schrumpligem Weltraumhoden namens 'Todesstern' beginnen?"

*****

Imperator Ming der Gnadenlose fingerte an seinem Bärtchen herum, das auf Mongo wohl gerade angesagt war.

"Tja, also, ich kann ehrlich gesagt nichts finden."

Bradley nickte.

"Na klar, Sie Pfeife. Blind wie ein Sandwurm. Setzen!" Bradley wartete kaum ab, bis Ming sich auf seinen Holzstuhl schlich. "Okay, im Klartext: Ihre jeweiligen Konstrukteure sind alle unfähig. Die bauen auf Ihre Raumstationen und Kampfschiffe immer endlos viele Türmchen und Küppelchen drauf, so dass aufrichtige Imperatoren wie Sie und ich die Sicherheitslücken nicht mehr mit bloßem Auge finden können. Aber es gibt sie, glauben Sie mir!"

Bradley nahm ein Stück Kreide und schrieb SICHERHEITSLÜCKEN an die Tafel.

"Okay, den Klassiker kennen Sie ja wohl. Na?"

Mordiac, ein hämisch dreingrinsender Zwerg, der wie Klaus Kinski aussah, beugte sich über den Tisch und schnippte mit den Fingern, um drangenommen zu werden.

"Mordiac?"

Der aufgerufene, nach eigenem Bekunden auf seiner Visitenkarte größter Verbrecher im Universum (und einigen anderen), leckte sich über die Lippen.

"Da gibt es garantiert irgendwo eine Stelle, wo es reicht, einen einzigen Photonentorpedo reinzuschießen, und dann geht der ganze Bunker hoch. Stimmt's?"

"Sehr gut!" Bradley nickte. "Die sogenannte Lucas-Lücke. Da kaum einer von Ihnen so schlau sein wird, die Baupläne das schlachtentscheidenden Hauptkampfschiffes zu vernichten, ehe ein unzufriedener Arbeitnehmer sie klauen kann, sollten Sie sich immer darauf einstellen, dass alle - auch die geheimsten! - Konstruktionspapiere den Gegnern stets bekannt sind."

"Meine Arbeitnehmer sind nicht unzufrieden." behauptete ein eher unbekannter Fantasy-Imperator. Er war gekleidet wie ein Mongolischer Steppenkämpfer, hatte einen Friseur nötig und stank nach fermentierter Lama-Jauche.

"Das sagen Sie alle." Bradley lachte. "Aber in Wirklichkeit ist es doch so: Wenn einer Ihrer Knechte mal den falschen Knopf drückt oder eingepennt ist, während die blonde Tusse mit den großen Kuhaugen, wegen der Sie das Imperium aufs Spiel setzten, fliehen konnte, dann klopfen die meisten Seminarteilnehmer diesen Unglücklichen selten tröstend auf die Schulter, und auch die Worte 'He, kein Problem, kann jedem mal passieren.' hört man kaum. Die Regel ist doch, dass Sie persönlich diese kleinen Penner mit einem schartigen Breitschwert durchbohren, Ihrem belgrumbianischen Kuscheltier zum Fraß vorwerfen oder mit Hilfe telepathischer Schummeltricks erwürgen. Und mal ehrlich: Kriegt man so zufriedene Mitarbeiter?"

"Hat das Pack ja wohl auch verdient!" warf Mordiac ein. "Aber was ist, wenn ich die Baupläne gut verstecke?"

"Keine Chance." Bradley schüttelte langsam den Kopf. "Immer gelingt es ein paar ausgebufften Typen von der guten Seite, die Baupläne zu klauen."

"Meterdicke Stahlwände?"

"Schnickschnack! Die Guten haben entweder eine tolle neue Erfindung, Stahlwände zu beseitigen, oder sie gehen außen herum. Ja, Harkonnen?"

Der unglaublich fette Baron mit den dicken Pickeln saß zusammen mit dem goldbelitzten Padishah Imperator Shaddam IV in der rechten hinteren Ecke das Klassenzimmers.

"Man könnte die Baupläne doch mit PGP verschlüsseln und im Hauptcomputer sichern."

Bradley nickte.

"Guter Einwand. Könnte man." Bradley ließ eine bedeutungsvolle Pause folgen, die in etwa so lange dauerte wie dieser hinhaltende Einschub. "Sie alle haben ja sicher Ihre Computerexperten, hochbezahlte Leute mit weißen Kitteln und der Neigung zu paranoiden Äußerungen, nicht wahr?"

Zustimmendes Gemurmel.

"Vergessen Sie sie! Überschätzte Scharlatane! Ihr Feind setzt denen zwölfjährige, pizzafressende Teenager entgegen, die jeden Ihrer teuren Super-Crays mit einem Nintendo Gameboy in drei Minuten knacken und außer Gefecht setzen!"

"Und wohin dann mit den Bauplänen?" maulten unisono Dr. No, Dr. Mabuse und ein paar Daleks.

"An den Mann." entgegnete Bradley wie aus der Pistole geschossen und klopfte sich auf die Brust. "Derlei Zeug sollten Sie als Imperator immer und ausschließlich selbst tragen. Dann kommt keiner ran!"

Bradleys Schüler beugten sich über ihre A5-Hefte, ließen die Zungen aus den Mundwinkeln hängen und kritzelten los. Vom fleißigen Geschreibe seiner Lehrlinge beruhigt, schritt Scott durch die Tischreihen.

"Gleiches gilt auch für Zauberkristalle und ähnlichen Glitzerkram, sofern Sie daraus Ihre Macht schöpfen." diktierte er. "So was lagert man nicht in entfernten Gebirgen, Schluchten oder von Monstern bewachten Seen, wo es jeder Hinz und Held mit Hilfe einer geschwätzigen Fee finden kann, sondern ... in der Brusttasche!"

Er warf einen Blick auf die Uhr.

"So, das war's dann in Theorie für den Vormittag. Zehn Minuten Essen fassen, dann aufrödeln und weiter zu den praktischen Übungen!"

*****

Sie standen im Halbkreis um Bradley, der vor Schleuse 327 posierte.

"Dutzende von Imperatoren haben ihr Leben ausgehaucht, weil sie meinten, sie wüssten schon alles, in Wirklichkeit aber nichts wussten. Daher diese Schulung, die Sie nicht bereuen werden! Und Sie können sicher sein, dass besserwisserische Penner wie dieser Vader, die dieses Seminar nicht besucht haben, früher oder später Wettbewerbsnachteile in Kauf nehmen müssen und schließlich ihr garantiertes Ende finden!"

Die Schüler klatschten. Bradley räusperte sich und steckte den Blaster wieder weg.

"Das Wichtigste ist, den Feind zu erkennen. Und nicht immer hat er ein freundliches Gesicht, blonde Haare, breite Schultern und so weiter. Diese Flash-Gordon-Typen sind in der Minderzahl, oft sind es unscheinbare Rebellenjungchen, die Ihnen ans Leder wollen."

Er trat an einen holographischen Projektor und stellte etwas ein. Es erschienen drei Wesen, die sich an der Schleuse zu schaffen machten.

"Na, äh, Herr Schatten, ist das eines Ihrer Reparaturteams oder der Feind?"

Der Megaschatten rieb sich die Nase.

"Mhh. Der Feind?"

"Sehr gut! Woran haben Sie's erkannt?"

"Naja. Die zwei Typen sahen normal aus, Fantasieuniform, fesch lackierter Helm und so weiter, aber die Frau da... zu hübsch, um zu meinen Reparaturteams zu gehören. So was hab ich nicht mal im Schlafzi..."

"Richtig! Also, meine Herren, werden Sie misstrauisch, wenn gutaussehende Damen sich irgendwo zu schaffen machen. Es handelt sich meistens um irgendwelche Prinzessinnen, die Sie entführt und in der Besenkammer vergessen hatten, und die sich nun befreien wollen, oft mit Hilfe widerspenstiger Söldnerfreunde."

Bradley ließ das nächste Holo-Dia klicken und sah sich unter den Schülern um, bis er ein Opfer fand.

"Na? Maul?"

Darth Maul, ein furchtbar hässlich geschminkter Typ mit gefärbten Kontaktlinsen, zupfte nervös an seinen Hörnern.

"Ähm... drei brontale Typen. Könnte auch alles fett krass in Ordnung sein, oder? Äh..."

Bradley ließ die Augen rollen.

"Könnte. Wäre. Würde. Sollte." leierte er. "Papperlapapp! Diese bunten Kontaktlinsen sind nicht gut für Ihren Durchblick: Einer dieser drei Typen ist schwarz! Ein Afro-Amerikaner! Auch Alibi-Schwarzer genannt. Er wird vor allem bei internationalen Helden-Teams eingesetzt, um die Bevölkerungsstruktur wenigstens ansatzweise wiederzugeben, und deswegen erkennen Sie hieran auch das Team der Guten, wie es gerade Dilithium-Kristalle, Todesstern-Baupläne, magische Schwerter oder sonst was klauen will."

Das Holo-Dia wechselte. Wieder sahen Sie zwei männliche Menschen - und einen Roboter.

"Dasselbe in grün. Es ist der Feind, das erkennen Sie am Roboter. Der macht entweder Witze, um die Helden zu unterhalten oder zu nerven, oder er hat den Job, die Codeschlösser der Schotts zu knacken. Dazu später noch was."

Neues Dia: Drei Menschen in Uniform. Bradley wippte mit den Augenbrauen.

"Sehe ich Finger?"

Thulsa Doom meldete sich.

"Ein Stoßtrupp des moralisch triefend guten Feindes, komplett gewandet in die Uniform des schützenswerten Bösen! Abknallen!"

Bradley schüttelte den Kopf.

"Befehl ist richtig, Ziel ist falsch. Glauben Sie mir: Niemals werden Sie sehen, dass die Guten versuchen, so in Ihre Festung einzudringen. Vielleicht, weil es zu einfach wäre. Aber so wie hier wird Ihr Feind nie aussehen! Troja war ne coole Mission, aber heute macht sowas keiner mehr."

Der Projektor klickte: Zwei uniformierte Menschen, ein Außerirdischer vor ihnen, mit Hals- und Handschellen und erhobenen Händen.

"Äußerst verdächtig!" knurrte Kahn zornig aus dem Hintergrund.

"Sehr genau beobachtet!" lobte Bradley. "Ein Witz: Sie machen nämlich niemals Gefangene, stimmt doch hoffentlich, oder? Woher kommt also dieser stinkende Wookie? - Sofort Alarm schlagen! Auch zwergenhafte Aliens, sprechende Teddybären und ähnlich spitzohriges Gesocks sind sofort zu desintegrieren!"

Er schaltete den Projektor aus.

"Und damit zu ein paar Details dieser Szene. Was fällt ihnen am elektronischen Schloss dieses Schotts auf? Mordiac?"

"Hmm..." Der Angesprochene ließ ratlos die Hände in die Tasche sinken. "Äh..."

"Haben Sie kalte Hände, Mordiac? Oder kalte Eier?"

Mordiac nahm schnell die Hände aus den Hosentaschen.

"Also?" lauerte Bradley.

"Naja... ein kompatibles Schloss... Standardmodell..."

"Eben! Eben!" triumphierte Bradley. "Was ich immer wieder während Sicherheitsaudits bei meinen Kunden sehen muss, sind diese superkompatiblen Standardschlösser, die jede billige R2D2-Einheit im Nu aufkriegt. Da sehnt man sich die alten Tage herbei, wo in der Technik nichts kompatibel war..." Verträumt dachte Bradley an Milkasoft-Raumschiffe: Da war das Fliegen noch Abenteuer. Dann riss er sich zusammen. "Jedenfalls: Oft reicht ein Schuss aus dem Blaster, und die Tür ist zu oder auf! Wollen wir das? Nein!"

Er ging zum Hologramm einer Wache.

"Und dann diese Wachen. Der Helm zu eng, das Visier zu klein. A) Wie soll der Soldat was sehen, wenn er dieses Ding aufhat? Und B) Wie sollen andere sehen, dass es nicht etwa ein Guter in der Verkleidung einer Wache ist?"

"Aber... hat der Helm nicht die Aufgabe, den Soldat vor Angriffen zu schützen?"

Bradley nickte.

"Guter Punkt, Mr. Zorin. Soldat ist Material, das schmeißt man nicht leichtfertig weg. Aber im Ernst: Haben Sie je gesehen, dass ein Helm einen Soldaten geschützt hätte? Gegen Laserstrahlen? Also: Helm weg, schwere Rüstung weg. Ich sage immer: Wachen sollten weiblich sein und Topless-Bunny-Kostüme tragen, da erkennen Sie den einsickernden Feind in Sekunden!

So, und nun wollen wir uns mal mit einer Stunde Belüftungsschacht-Kriechen warm machen, ehe wir zu den Endkampf-Rollenspielen kommen."

*****

Bradley sah, wie sie nach der Tortur schwitzten und vor Anstrengung zitterten, und war zufrieden.

"Da kommt Blut ins Hirn, was? Also: Der Endkampf ist der wichtigste Moment in Ihrem Leben. Der Held steht Ihnen gegenüber, Auge in Auge, und entweder stirbt er, oder Sie sterben. Klar? Dieses Seminar soll Sie befähigen, das Richtige zu sagen und zu tun, um nicht zu sterben. Okay. Blofeld, kommen Sie mal nach vorne?"

Ein dicklicher Mann in schlecht sitzendem Anzug kam zu Bradley. Der gab ihm eine Holzpistole.

"Okay. Ich bin der Gute, Sie sind der Böse. Gerade haben Sie mich gefangen genommen. Was tun und sagen Sie jetzt?"

Blofeld zögerte keine Sekunde.

"Okay, Mister Bradley. Nun werde ich Ihnen noch mal eben meinen teuflischen Plan zu Unterjochung der Menschheit erklären, ehe ich Sie an meiner Weltuntergangsmaschine festbinde und Sie damit dem sicheren Tod..."

Bradley ließ das Gesicht in die Hände sinken. Weinte er? Nein. Er lachte Tränen.

"Sehen Sie, was ich meine? Nachdem Blofeld den Guten irgendwo festgezurrt hat, wird dieser natürlich seine Laserwaffe aus der Nasenprothese nehmen, sich befreien und anschließend den teuflischen Plan durchkreuzen. Das ist so beknackt wie der Spruch 'Ein Kugel ist zu gut für Sie!', weil eine Kugel nie zu gut ist, vor allem dann nicht, wenn sie den Guten schnell und effektiv aus dem Finale pustet! Maul, kommen Sie her und machen Sie's besser!"

Bradley nahm dem nunmehr blassen Blofeld die Pistole ab und gab sie Maul.

"Okay. Ich bin der Gute, Sie sind der Böse. Gerade haben Sie mich gefangen genommen. Was tun und sagen Sie jetzt?"

Maul zielte auf Bradley.

"Ha! Hab ich Dich, Du Sau!"

Bradley hob eine anerkennende Augenbraue, dann lachte er höhnisch und warf sich in Pose.

"Ein sesselfurzender Feigling seid Ihr, Darth Groß-Maul! Mit einer Waffe in der Hand, ja!, da fühlt Ihr Euch überlegen! Aber den Faustkampf Mann gegen Mann, den scheut ein Weichspüler Eures Kleinformats am Ende doch! Imperiale Warmduscher wie Ihr verstecken sich hinter Laserschwertern und..."

"Wohlan!" unterbrach ihn Maul, warf die Holzpistole zur Seite und nahm eine gedeckte Kampfhaltung an.

Bradley griff in sein Holster, nahm den Antibosonenblaster und schoss Darth Maul über den Haufen. Die verbliebenen Proteine blubberten zäh in den Gully des Raumschiffsdecks, bis ein Reinigungsrobot herbeieilte und seinen Job tat.

"So, wie der sich anstellte, hätte er es ohnehin nicht zu einem erfolgreichen Imperator geschafft... Also, was lernen wir? Stromberg?"

"Nicht lang mit dem Helden quatschen, ihm die Pläne erzählen oder auf die böse Seite ziehen wollen. Sondern gleich abknallen!"

"Genau! Und um Himmels willen keinen Zweikampf zulassen! Miss Zoran, Sie sind dran!"

Eine unglaubliche Schönheit in einem aufwändigen Kostüm kam nach vorne. Sie trug enganliegende Lederklamotten, einen äußerst knappen Schamlippenschurz und einen Büstenhalter aus Edelstahl mit Kristallglaseinlagen über den Brustwarzen. Bradley hob die Pistole auf.

"Okay. Wir drehen das Spiel mal um, da es dann überzeugender wirkt. Ich bin der Böse, Sie sind die Gute. Ich habe Sie gerade gefangen genommen. Überzeugen Sie mich davon, Sie am Leben zu lassen!

Also: Har, har, etc. Sterben Sie wohl, Lady Zoran!"

"Aber Bradley." flötete das Weib. "Ich habe doch schon vor Wochen mein Herz für Euch entdeckt... wollen wir nicht gemeinsam das Zepter schwingen? Im Duett die Bauern unterjochen? Und als tödliches Liebespaar blutige Kriege gegen unschuldige Nachbarplaneten führen?"

Sie klimperte mit den Wimpern und wogte mit ihrem enormen Busen, der halb aus der Stahlfassung quoll.

Als das üppige Fleisch vor ihm auf und ab schaukelte, war Bradley eine halbe Sekunde lang in Versuchung, doch er schluckte schnell, beherrschte sich und zielte mit der Holzpistole.

"Nichts da. Stirb, Schlampe. Peng!"

Zoran ging enttäuscht zu ihrem Platz, während Bradley weiter dozierte.

"Sie haben es gesehen: Das sind die Tricks des anderen Geschlechts. Trauen Sie also den Weibern nicht! Keine von denen hat vor, Ihnen bis ans Ende Ihrer Tyrannentage während imperialer Audienzen unter dem Tisch einen zu blasen. Nicht mal ab und zu im Schlafzimmer! Die wollen Sie alle nur mit Petting hinhalten, bis der Held das Monster überwunden hat oder dem Gefängnis entkommen ist! Alles klar?"

Zustimmendes Gemurmel.

"Okay. Dann geht's jetzt noch einmal durch die Belüftungsschächte, damit Sie auch ganz sicher kapieren, wie sich diese negativ auf die Sicherheit Ihrer Festungen auswirken! Und morgen machen wir dann weiter mit den verschiedenen Detailfehlern, die man sonst noch so machen kann, beispielsweise den kleinen Bruder, den man besser gleich umbringen sollte, statt ihm eine Eisenmaske anzuziehen und ihn irgendwo in den Knast zu sperren. Das rächt sich immer. Also meine Damen, bis morgen!"

Murmelnd und miteinander ratschend zogen die Schüler des Seminars ab und krochen in die bereitgestellten Kabel-, Wasser-, Energie- und Belüftungsschächte.

"Ach, äh..." rief Bradley. "Lady Zoran! Könnten Sie noch mal kurz nach vorne zum Pult kommen? Ich würde da gerne noch etwas mit Ihnen, äh... vertiefen..."

 

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