Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

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Mission 13

In der Napalmhölle über Hol-Menkol

Von Franz Grieser

Bradley zappte durch die Nachrichtensendungen. Überall die gleiche eklige Soße: Endlich Frieden - Bradley schnaubte verächtlich - Frieden zwischen Thetra Centauri und Alpha Pack, Kapitulation der Rebellen auf Benz&Drine, Friedensverhandlungen zwischen den Mortadellanern und den Gaudanern. Überall wo man hinsah, eitel Friede, Freude, Würgekuchen. Noch nicht einmal mehr auf dem Mars hatten die Russen und die Freischärler von Che Tchenien Lust, sich die Schädel wegzublasten.

Bradley seufzte. Wer brauchte da schon einen Haudrauf wie ihn?

Er konnte ja nicht schon wieder einen Aufstand in Lateinamerika anzetteln - die waren da ja noch immer damit beschäftigt, die Schulden abzuarbeiten, in die sie sich für die letzten Waffenkäufe gestürzt hatten.

Und sein Versuch, sich von ein paar Venture-Kapitalisten eine Expedition in die Ricardo-Nebel finanzieren zu lassen, war auch fehlgeschlagen. Jedem BWL-Studenten, der einen Businessplan zusammenstoppeln konnte, ohne sich zu verrechnen, schoben die das Geld in den Hintern: Aber wenn's drum ging, einen kleinen, nur ein bisschen blutigen Eroberungskrieg zu führen, schissen sie sich in die Hosen.

Bradley seufzte noch einmal.

Statt ein weiteres Mal zu seufzen, bestellte Bradley beim Zimmerservice noch zwei Flaschen Wodka und einen Eimer geviertelte Zitronen.

*****

Was Bradley am nächsten Morgen weckte, war nicht sein brummender Schädel, der Zimmerservice oder sein Wecker. Nein, aus dem tiefen Schlaf gerissen wurde Bradley durch vier Kerle, die mit einem leisen 'Swosch' in seinem Zimmer materialisierten. Einer von ihnen landete dabei auf der Kante des Tisches, der wegen der ungleichmäßigen Belastung umkippte und den Mann, die leeren Wodka- sowie fünf Bierflaschen und den Eimer mit zu Boden riss, was einen Krach verursachte, der eine Mumie aufgeweckt hätte.

Als Bradley hochschreckte, fasste er sich stöhnend an die Stirn, doch schon sein zweiter Griff galt der Laser-Uzi unter dem Kopfkissen. Mit der zielte er auf die vier Eindringlinge.

"Pfoten hoch! Alles an die Wand! Wird's bald ... Oh, Scheiße, nimm mal wer den Elefanten von meinem Hirn. ... Nein! Ihr Komiker behaltet die Pfoten oben, sonst mach ich Hacksteak aus Euch!"

Die vier taten wie befohlen. Erst wirkten sie etwas erschreckt, dann aber grinste einer nach dem anderen höchst zufrieden. Sie nickten einander bestätigend zu.

Bradley zischte die vier an: "Was gibt's da zu grinsen? Das Ding ist geladen und entsichert - ein kleines Zucken mit dem Zeigefinger, und Ihr seid nur noch ein Klumpen Fleisch. Also: Was ist los?"

"Oh, Sir. Es ist nur ... wir hatten keine andere Reaktion von Euch erwartet."

"Bradley, der Unbezwingbare...", schwärmte ein zweiter.

"Pfoten hoch, hab ich gesagt! Keiner von Euch rührt sich, sonst wird ihn Bradley, der Unbesiegbare, mal kurz umnieten. ... Scheiße, brummt mir der Schädel."

Die vier grinsten weiter. Wagten aber nicht mehr, sich zu bewegen.

"Also gut, Grinsemann.", wandte Bradley sich an den, der offenbar der Anführer der vier war. "Was wird hier gespielt? Und bitte die Kurzfassung. Ich hab heute keinen Nerv für Romane."

"Ja, Sir. Bradley. Kurz und knapp, Sir. Natürlich. Wir, also ... Ach ja. Also ich heiße Britt Sridley und bin ..."

"DIE KURZFASSUNG!"

"Ja, äh. Wir, also wir kommen von einem kleinen Planeten im Plejaden-Nebel, von Hol Menkol. Und wir brauchen Ihre Hilfe. Dringend, Sir. Und schnell."

"Ja, es ist nämlich so, Sir.", fügte der zweite der Männer hinzu. "Unser Volk ist in größter Gefahr. Chrox Luziox, der grausame Herrscher unserer Nachbargalaxie, will unseren Planeten erobern und uns Hol-Menkoliker versklaven."

"Und unsere Weiber vergewaltigen."

"Und unsere Wodkavorräte stehlen."

"Und unsere ..."

"Halt, halt!", unterbrach Bradley die vier. "Nicht alle durcheinander. Wobei genau soll ich Euch helfen? Und ich will nur die Fakten wissen. Fakten, Fakten, Fakten!"

"Natürlich, Sir: Chrox Luziox ist mit seiner Armada auf dem Weg zu unserem Planeten. Unsere Streitkräfte sind allerdings zu schwach und werden ihm nur noch wenige Stunden standhalten können."

"Und wozu braucht Ihr dann mich?" Bradley zwinkerte amüsiert. "Kapitulationsverhandlungen sind nicht gerade meine Stärke, hehe."

"Kapitulieren sollen Sie auch nicht. Wenn unsere Männer erfahren, dass Scott Bradley unser Commander ist. Dann, dann werden sie kämpfen. Bis zum letzten Atemzug."

"Soso. Und wieso das? Ich meine: Wie kommt es, dass Ihr Euch gerade mich ausgesucht habt? Nicht dass es eine bessere Wahl gäbe... Trotzdem würde mich schon interessieren, wie Ihr gerade auf mich kommt."

Die vier blickten sich an.

Ihr Anführer räusperte sich. "Ja, es ist so, Sir. Wir haben das Buch über Sie gelesen, das Buch über die Abenteuer von Scott Bradley. Vor vielen Jahren hat es Fred Mikk Erik, einer unserer kühnsten Raumfahrer, von einer Reise mitgebracht. Und seitdem wurde das Buch unzählige Male auf Hol Menkol gelesen. Jeder Mann auf unserem Planeten kennt es auswendig. Und jeder Mann auf Hol-Menkol will so werden wie Sie, Sir. Aber nur die besten werden auf den drei Bradley-Akademien auf unserem Planeten angenommen und zu Junior-Commandern ausgebildet. So haben wir es ..."

"Was für'n Buch? Heißt das, dass jemand ein Buch über mich geschrieben hat? Her damit! Das muss ich sehen!"

Fast gleichzeitig zückten alle vier ein kleines Taschenbuch und hielten es Bradley entgegen.

Der schnappte sich das am wenigsten abgegriffene Exemplar und scheuchte die vier dann aus seinem Zimmer: "Ich muss mich noch auf meine neue Mission vorbereiten. Holt mich in drei Stunden hier wieder ab. ... Ach ja. Und schickt mir noch die Zimmerkellnerin vorbei."

*****

Als Bradley nach zweieinhalb Stunden fertig war, hatte er die längste Lektüre seines Lebens hinter sich. Seine Stimmung war um mehrere Dimensionen besser als am Vortag. Auch wenn er einmal gerufen hatte: "Mensch, das muss man doch ausführlicher erzählen. Noch nie was von epischer Breite gehört, Du Schmalspurschreiber." Und sich mehrmals echauffiert hatte: "Kinners. So war das aber nicht. Hättet mal den alten Bradley fragen sollen."

Immer wieder hatte er sein gedrucktes Alter Ego angefeuert mit: "Zeig's den Säcken!" - "Genau: Nicht lange rumfackeln!" Die meiste Zeit aber hatte er zufrieden gegrinst. Besser hätte er das auch nicht erzählen können.

*****

Pünktlich nach drei Stunden standen die vier Hol-Menkoliker in der Tür und blickten Bradley erwartungsvoll an.

Bradley seufzte, steckte das Buch und die halb volle Flasche Wodka ein, und stand auf.

"Okay, ich hau euch aus der Scheiße raus."

"Danke! Danke!" Der Anführer kroch förmlich im Staub vor Bradley. "Wenn Sie auf diesen Knopf drücken, und "Go-go-go" in den Kommunikator sprechen, werden Sie auf unser Mutterschiff transpondiert."

"Transpondiert, soso. Na, äh... also..."

"Sir! Bitte um Verzeihung, Commander! Sir!", mischte sich der Hol-Menkoliker Nummer 3 ein: "Sir! Könnte ich bitte mein Exemplar des Heiligen Buchs wieder haben? Und könnten Sie mir noch was reinschreiben? Zum Beispiel: 'Von Commander Bradley für den geschätzten Brett Sprottlie.' ... Äh, wenn es Ihnen nichts ausmacht, Sir."

"Au ja, für mich bitte: 'Für Bud Sittley, der mir ein getreuer Gefährte war.'"

"Mir reicht ein 'Für Sid Bullinger von Commander Bradley', wenn Sie so freundlich wären."

Bradley blickte die Hol-Menkoliker entgeistert an. Dann sagte er, so ruhig er konnte: "Sonst noch Wünsche?" Bevor sie antworten konnten, brüllte er: "Euch hat ja wohl jemand ins Hirn geschissen! Noch einmal solche Mätzchen, und Ihr könnt allein gegen diesen Chrox antreten. ... Also: Wo geht's lang?"

Die vier blickten betreten zu Boden. Brett Sridley hielt ihm den bereits aktivierten Kommunikator hin und sagte: "Hier hineinsprechen, bitte."

"O.k.", sagte Bradley. Und dann: "Go-Go-GO!"

*****

Die Kommandozentrale des Raumschiffs war so groß, dass darin locker das Hauptgebäude aus St. Adelheim, dem Empire-Gefängnis, in das sie Bradley vier lange Monate gesteckt hatten, Platz gehabt hätte.

An den Wänden standen zwei Dutzend Männer vor Displays und bunt blinkenden Konsolen. Sie blickten neugierig zu Bradley herüber. Auch der Navigator und die übrigen Männer sahen Bradley an. Erwartungsvoll. Und voller Ehrfurcht.

Bradley ließ sie glotzen. Und marschierte einmal durch die Halle, um sich umzuschauen.

Vor allem das, was er auf den Displays beim Waffenoffizier sah, gefiel ihm: Das Schiff war eine fliegende Waffenfabrik.

"Sir!", unterbrach ihn eine aufgeregte Stimme. "Sir. Ich hab hier Chrox Luziox in der Leitung. Der will unseren Commander sprechen."

"Na, dann stell ihn mal durch, mein Junge."

Quietschend entrollte sich das HyperTFT-Display.

Alle außer Bradley zuckten zusammen, als eine neongrüne Fratze mit vier Augen, einem scharfen Hackschnabel und einer kleinen Stupsnase das fünf Meter hohe Display füllte.

"Also, was iss nu? Wo iss Euer Boss? Wird's bald?", zischte Chrox durch die Lautsprecher.

"Hey, Du Grünschnabel, was willst Du?", knurrte Bradley zurück.

"Was bist Du denn für einer? Wie einer von den Dämholikern kuckst Du ja nicht aus."

"Das ist Commander Scott Bradley.", wagte sich Britt Sridley vor.

"Halt das Maul, Du flachgesichtiger Furz einer Kröte!" Zu Bradley gewandt fragte er: "Bradley? DER Bradley? ... HÄHÄHÄHähähä..." Dann keuchte er, bevor er fortfuhr: "Bradley, was für ein Abstieg. Diesmal bist Du der Anführer der Hasenfüsse! HÄHÄHäää! Tja, Bradley. Diesmal bist Du auf der falschen Seite."

"Na, das werden wir ja noch sehen. Aber so lange ich nicht auf Deiner Seite bin, bin ich auf der richtigen! ... Vielleicht verrätst Du mir ja mal, was Du eigentlich willst."

"Was ich will? Hähähä. Dass Deine Zwerge die Waffen strecken und bedingungslos kapitulieren. Nicht mehr und nicht weniger!"

"Das ist unmöglich.", zischte Britt in Bradleys linkes Ohr, das immer noch taub war von der Schlacht in den Stereolabs damals auf Outland 3. Aber Bradley hätte sowieso nie kapituliert. Das Wort kam in seinem Wortschatz gar nicht vor. Und wenn dann noch so ein Arschloch wie dieser Kurzschnabel ...

"Chrox, Du hässliche Kreuzung eines Aasgeiers und einer Hyäne. Scher Dich zum Teufel! Wenn ich Dich in fünf Minuten noch im Hoheitsgebiet dieses Planeten sehe, blase ich Dich und Deine mickrigen Schiffe ins nächste Schwarze Loch. Verpisst euch, ihr Laubfrösche!"

Wie er es von seiner Rhetoriklehrerin gelernt hatte, knipste er kurzerhand das Display aus und strahlte seine Crew mit seinem Siegerlächeln an - Ergebnis langer Jahre harter Übung vor dem Spiegel.

Nach einer kurzen Schrecksekunde applaudierten seine Leute. Begeistert darüber, wie er es diesem Drecksack Chrox gegeben hatte.

Während er seine Crew noch huldvoll anlächelte, winkte er Britt Sridley zu sich und senkte die Stimme.

"Britt. Sag mal: Wie viele Schiffe haben eigentlich wir?"

"Wir befinden uns im letzten, Sir."

Bradley stutzte.

"Äh. Und wie viele hat dieser Chrox?"

Britt fing an, seine Finger zu zählen.

Das ging sehr schnell, da er nur je vier Finger pro Hand hatte.

Dann schüttelte Britt den Kopf und fing noch einmal von vorn an - Bradley las das an seinen Lippen ab.

"Zwölf, Sir."

Bradley schluckte.

"Noch mal zum Mitschreiben, Brett: Wir haben ein Schiff gegen ZWÖLF?"

"Korrekt, Sir."

*****

Als Bradley im Commander-Sessel versank, ja, da spürte er es wieder, dieses Gefühl, unbesiegbar zu sein: Vier g-Spot-Turbinen unter dem Arsch und die Laderäume voller todbringender ePhoton-Torpedos und eNapalm-Werfer.

Wen sollte er da fürchten?

Bradley blickte sich um.

Ja, diese Holmen-Kerls hatten wirklich an alles gedacht: Neben seinem Sessel stand der Quadro-Player mit ein paar CDs. Bradley nahm Get Some Go Again von Henri Rollins heraus. Er legte die Scheibe ein, drehte auf bis zum Anschlag und ließ Henri losplärren: 'Go get some, get some, get some GO AGAIN!'

Bradley sprang auf.

"Auf geht's, Jungs. Yeah, gebt's ihnen!"

Schon stand er hinter dem Navigator und deutete auf eine Punkt knapp hinter der Linie der feindlichen Schiffe: "Dorthin! Dorthin müssen wir. Und da bringst Du uns hin, mein Junge!" Auf den ungläubigen Blick des Navigators fügte er hinzu: "Mit dem Hydra-Drive, natürlich."

Ein Raunen ging durch das Cockpit. Bradley ließ das kalt.

"Sobald ich das Kommando gebe, gibst Du Gas."

Zusammen mit Henri Rollins gröhlte er 'I'm a monster. Monster. Monster. - Burning hard, burning real.', während er zum 1. Offizier tänzelte.

"Alle Rohre laden, Torpedos fertig machen. Aber keinen Schuss abgeben, bevor ich es befehle! Verstanden!" Dann rief er: "Alle Mann: Festhalten. Navigator: Los geht's. JETZT."

Das Schiff bäumte sich auf. Displays splitterten, lose Gegenstände zischten durch die Luft. Alle, die nicht saßen, wurden von dem Ruck zu Boden geschleudert. Bradley blieb als einziger stehen.

Das Schiff ächzte in den Nähten. Nieten platzen von der Decke. Die Verkleidung riss von der Decke ab, fiel krachend zu Boden. Navigationskarten, Stifte und lose Blätter flogen durch die Luft. Männer wurden zu Boden geschleudert, rutschten über den inzwischen gefährlich schrägen Boden.

Bradley gröhlte mit Henri Rollins: "Are you ready to shake it up. Are you ready to tear it down? Are you ready to hit it up? Since you're ready, I am ready. FEUER! Aus allen Rohren. Feuert, was Ihr könnt! ... Tear it up, tear it down."

Während noch die Bässe wummerten und die Gitarren wimmerten und ein Chrox-Schiff nach dem anderen in Flammen aufging, wirbelte Bradley über die Kommandobrücke, spielte Luftgitarre.

"Since you're ready, I am ready. Tear it up. Reißt Ihnen die Ärsche auf. YEEEAAAAA!"

Dann spulte er vor auf den Track Hotter And Hotter und brüllte wieder mit:

"I'm running hotter and hotter and hotter

As the years go by I can't deny the flame that burns inside me

Many times I wonder why I still act the same way

Something burning inside, I get hotter and hotter

Dreh das Schiff um 30 Grad, Junge. Ja. Genau so! Und Ihr feuert weiter, was die Rohre hergeben. JAAA.

I'm already gone when you turn your head

Don't point your finger of blame

You see me burning like the sun in your eyes

Aber was da brennt, Chrox, das sind Deine Schiffe! Und nicht ich!

I'm hotter and hotter

As the days go on

Year after year after year after year

I'm on fire

You can't stop me.

Das war's dann wohl, Chrox. Das war's dann. Du hast es nicht anders gewollt!"

Dann holte er Luft und brüllte weiter:

"Gasoline for breakfast, Napalm for lunch

Hotter and hotter and hotter and hotter and hotter... yea ... yea ... yea"

Als der Song aus war, kickte Bradley den CD-Player mit der Stiefelspitze aus.

Es herrschte ehrfürchtige Stille.

Bis die Hol-Menkoliker in lautes Jubelgeschrei ausbrachen und auf Bradley zustürmten. Ihn auf die Schultern hoben, hochwarfen und dann auf ausgestreckten Armen durch das Cockpit immer weiter reichten.

 

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