Scott Bradley | Politisch unkorrekte Weltraum-Abenteuer | Science-Fiction-Satire

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Scott Bradley - Science Fiction Satire Scott Bradley - Science Fiction Parodie Scott Bradley - Funny Science Fiction


Mission 15

Im Muzak-Kugelsternhaufen

Von Andreas Winterer & Ingo Mack

"Noch zwei Doppelte"

Das drei Meter hohe Alien hinter der Theke der Raumbar des Ausbildungscenters nahe Leta L im Exi-T-System grunzte freundlich und griff nach den Flaschen.

"Live long and prosper." zischte es mit einem kaum bemerkbaren jargelwakturianischen Akzent, als es zwei pangalaktische Donnergurgler vor die beiden so unterschiedlichen Veteranen stellte. Im flackernden Licht des Kerzenscheins funkelte das ausfahrbare Mehrfachgebiss, als bestünde es aus rostfreiem Edelstahl. Doch es war nur billiges Amalgam mit einem Edelstahl-Überzug.

Der Blob auf dem Stuhl neben Bradley formte zwei Tentakel aus, deren photosensorische Spitzen die Glasfüllung beäugten: Nur knapp über dem Strich.

"Hier wurde auch schon mal besser eingeschenkt.", murmelte es schlaff.

"He! Mann! Alter!" Bradley bohrte dem skelettlosen Molluskengeschöpf seine Havanna mit dem Mundstück voran in den schwabbeligen Nacken. "Lass Dich nicht so hängen! Zeig mal etwas Rückgrat."

"Rückgrat?" Der Blob ließ die Augen verschwinden und griff mit zähflüssigen Pseudopoden nach den Gläsern. "Bradley, alter Freund, vielleicht ist es Dir ja entgangen, aber: Ich hab keins."

"Kein Grund, so schlapp über die Stuhlkanten zu fließen. Seitdem wir in diesem verlausten Ausbildungszentrum rumhängen, wirst Du mit jedem Tag schlaffer."

Der Blob schob ein Glas zu Bradley.

"Kann schon sein."

"Dir fehlt eine vernünftige Beschäftigung."

"Kann schon sein."

"Aliens aufmischen, Planeten vor Todessternen retten, in affengeilen Weltraumharleys durch die Galaxis heizen!"

"Kann schon sein."

"Die ganzen willigen Weiber auf den Raumhäfen nicht zu vergessen."

"Hgrmpff." der Blob ächzte wehmütig. "Ich bin zu alt für diesen Scheiß. Erzähl mir lieber noch Mal die Story mit dem Scheißeplaneten."

Scott fühlte einen Anflug von Melancholie.

"Das war kein Planet, sondern ein Kampfstern. Du meinst die Sache mit den Muzaks?"

"Ja. Genau. Die Sache mit den Muzaks."

Scott erzählte die Geschichte nicht gern. Wegen der Raumsektorenverunreinigung im Alpha-Quadranten hatte er damals mächtige Probleme mit dem Flottenoberkommando gekriegt. Nicht zu vergessen die ganzen neunmalklugen Raumumweltschützer: Leider hatten sie sich nicht alle in der Nähe der später eigens von ihm ausgelösten Supernova befunden. Und um sich zu rächen hatte der eine Überlebende Bradleys E-Mail-Adresse wochenlang bei kirchlichen Newslettern, Remix-Lyrik-Maillinglisten und Gay-Kontaktanzeigen eingetragen.

Bradley knirschte leise mit den Zähnen. Das hatte die Schmeißfliege sicher kurz darauf bereut: Scott hatte umgekehrt seine Mailadressen herausbekommen und unter dem Namen dieses verlausten, langhaarigen, drogensüchtigen, ungewaschenen Kommunisten eine Mail an Darth Vader geschrieben, einem Imperator, der damals gerade ziemlich aufdringlich herumstänkerte. Inhalt: 'Hi Dad, hier ist Luke. Mama sagt, dass alle Jedi-Orgasmen nur gespielt waren - was meint sie damit? PS: In Deinem Alter kriegt man doch sicher sein Laserschwert nicht mehr hoch, oder?'

Bradley winkte ab.

"Das sind doch olle Kamellen. Wen interessiert das denn..."

Wie aufs Kommando wandten sich sämtliche Rücken der Kneipe von ihm ab. Statt dessen richteten sich Stielaugen, Pheremonfühler, Ultraschallsensoren, telepathische Antennen und CCD-Cams in verschiedenen Auflösungen auf Scott Bradley.

"Machs nicht so spannend, Scott."

"Los, erzähl schon, Bradley."

"Wir wollen die Geschichte hören, Commander."

"Echte Männer erzählen echte Storys, Scott."

"Keinen Rückzieher hier, Bradley."

"Wir dachten, Sie waren dabei, Commander!"

Das Alien hinter den Theke donnerte einen Glennfizz auf die Theke. Scott sah hin: Die LCD-Aufschrift 'Ich bin der erste von vielen, die Du frei kriegen kannst, wenn Du endlich auspackst.' zwinkerte ihm freundlich zu und warb zwischendurch für eine Telefongesellschaft namens QUAK.

Der Blob neben ihm ließ ein mobiles 4te-Dimension-Humidor aus seinem Körperinneren quellen, öffnete es und hielt ihm eine Schachtel handgerollter Cohiba Esplendido im Churchill-Format vor die Nase. Scott zögerte kurz, bis er sah, dass wirklich alle aufgehört hatten, der holographischen Table-Dancerin auf ihre sechs Schamlippenpaare zu glotzen, dann griff er sich eine Cohiba und schnupperte daran.

"Na gut." brummte er. "Das war so..."

*****

Mein Helmradio summte gerade leise Manfred Mann, zur Inspiration und um von der grässlichen Muzak abzulenken, mit der die Muzaks ihre Schiffe beschallen und von der sie ihren Namen haben. Also Manfred Mann, ihr wisst schon: if you gotta go, go now. Es passte, denn vor mir wartete die Schleuse. Ich schmeckte meinen Schweiß. Mein Herz klopfte, denn ich hatte auf dem Weg schon einige Hundertschaften erledigt. Und meine Blase drückte - verdammt, die Konfirmation war doch Jahrhunderte her. Was war los? Irgendwas Harntreibendes musste in der dritten Literkanne Kaffee-Bourbon drin gewesen sein, die ich bei einem Päuschen in einem der letzten Sektoren dieser Kampfstation in mich hineingekippt hatte.

Doch die Anzeige 'Katheter overflow' machte mir klar, dass ich nun ein wichtiges strategisches Ziel vor mir hatte, das nicht länger warten konnte. Ich trat zum Schott, berührte den Schalter. Mit einem Zischen fuhren die graffitiversauten Schleusentore beiseite. Die Dislokationspistole schwenkend betrat ich den nächsten Raum. Wieder kein Angriff. Gähn. Wozu war ich eigentlich hier?

Am Boden waberte grüner Nebel. Sein unwirkliches Licht tauchte den Raum in klebrigen Schummer und ließ die Räumlichkeiten mehr vermuten, als dass er sie zeigte. Zwei Flure gingen ab, einer links, einer rechts. In der Mitte leuchtete ein Nosy-Display. Im Hintergrund raschelten hungrig die dürren Beine von Insektoiden, wahrscheinlich in den Belüftungsschächten. Nur gut, dass ich diesmal einen anderen Weg genommen hatte.

Das Display simulierte Tastaturklicks, als ich Informationen abrief und durch den Stirnulator jagte. Plötzlich heulten die Sirenen auf - Mist, ich hatte mich in ihren Server geklinkt, ohne die Rufnummernübermittlung (CLID) abzuschalten. Wirres Gebrabbel tönte aus den Lautsprechern, unterlegt mit George-Squire-Klängen, dann hatte sich der Stirnulator darauf eingestellt und übersetzte simultan.

'Achtung! Alarm! Eindringling auf Deck 3!'

Wie recht Du doch hast, Schätzchen, dachte ich.

'Alle Krieger auf Ebene 2 bis 4 begeben sich umgehend, ich wiederhole: umgehend, zu Ebene 3!'

Jaaah, dachte ich, kommt zu Papa!

'Sichern Sie die sanitären Anlagen und die Gummikammern! Es ist in jedem Fall zu verhindern, dass der Eindringling den zentralen Lift erreicht! Ich wiederhole: Der zentrale Lift ist...'

Soso, ein Aufzug also. Ich grinste in mich hinein. Auf meinen Seminaren lernte man schon in der ersten Stunde, nicht über die öffentlichen Lautsprecher rumzutröten, dass man 1. wusste, dass der Feind da war, und man 2. nicht wollte, dass er Position XY erreichte. Könnte man ja gleich überall Schilder anbringen: Reaktorkern mit defekter Sicherheitstür: hier lang; manueller Override des Hauptcomputers: dort hinten; bequemer Belüftungsschacht: einfach den Markierungen folgen; WCs finden Sie im Basement, bitte geben Sie nach dem Warp-Kern-Bruch ihre Besucherausweise zurück.

Na ja, ich konnte ihnen ja ein paar Broschüren hier lassen, sobald ich ihr Schiff gesprengt hatte.

Ich wählte den Gang zur Linken. Kaum hatte ich ihn betreten, kamen mir schon vier Halbkrieger entgegen, die Gilette-Werfer im Anschlag. Als ich im freien Lauf meine Dislokationspistole abfeuerte, flammten ihre Schilde in hellem yodagrün auf. Verdammt, Energiewaffen waren wirkungslos, da musste Artillerie her.

Ich unterdrückte den Wunsch, jetzt pinkeln zu gehen, lief weiter, hörte ihr blutgieriges Brüllen, wich einigen Gilette-Klingen aus, wählte die Partikelflak, ließ zwei Kammern laden und drückte ab. Die Granaten wirbelten durch die Luft, den Kriegern entgegen. Ihre Schilde erloschen - gegen die nicht-magnetischen Geschosse der Flak machten sie ohnehin keinen Sinn - und sie sprinteten zur Seite. Sogleich schickte ich zwei weitere Partikelfontänen hinterher, wobei mir der Rückstoss fast die Flak aus den Händen riss.

Das saß. Die Granaten durchschlugen ihre Panzerung und gingen durch sie durch wie eine Axt durch einen Regenwurm. Blut spritzte in Fontänen durch die Gänge. Die Krieger zuckten und zappelten noch ein wenig, dann polterten ihre Körper zu Boden. Sicherheitshalber feuerte ich noch zwei Ladungen auf sie ab, was ihre Körper endgültig in Fetzen riss. Der Gang sah nun aus wie die Separatoren-Abteilung einer Rindfleischfabrik. Ich bekam Lust auf eine Leberkas-Semmel.

Weiter, dachte ich, obwohl ich kaum noch an mich halten konnte: ich musste dringend mal aufs Klo. Verdammte Kampfanzüge, wer hatte bloß den guten alten Hosenschlitz weg-erfunden? Hatte das Flottenkommando etwa Angst, das man dem Feind in den Todesstern pinkelte, ehe man ihn sprengte? Ich prüfte kurz die Panzerung. '78 %' sagte mein Head-Up-Display, aber auch: 'Katheter Emergency Alert'.

Plötzlich fielen einige insektoide Springsauger von der Decke. Ich reagierte sofort: Paff, paff, schrie meine Dispi. Die Körperflüssigkeit der Springsauger kochte und blähte ihr Inneres schaumig auf, bis es mit einem feuchten Schmatzen gegart aus ihren Exoskeletten platzte.

Leider hatte ich keine Zeit für einen Snack. Ich sah mich um, aktivierte mein HUD-Sonar: Der Raum war 12 Meter breit, 9 Meter hoch, überall Streben, viel Platz also für die Scheißviecher. Zur Sicherheit besprühte ich die Wände mit radioaktiv-virulentem Bioabfall, frisch aus den Meeren der Erde. Dann duckte ich mich hinter einen Wandvorsprung, um die Lage zu checken.

Am Ende des Ganges, in 450 Meter Entfernung, erkannte ich einen Lift. Schon? Fast zu einfach. Mit dem Zielfernrohr der Präzisionswumme zoomte ich näher heran. Eine Kriegerin dritter Klasse patrouillierte vor dem Fahrstuhl. Die Sensorbrüste der Alienbraut wobbelten auf und ab wie bei Lara Croft. Ihre Lippen pfiffen Billie-Holliday-Songs.

Himmel, was für Titten! Kristallharte Warzen! ('Muzak-Weibchen verschießen mit ihren Brüsten giftige Nadeln.', teilte mir mein HUD mit.) Ob sie Familie hatte? ('Muzaks verzehren ihren Geschlechtspartner nach dem Akt; nur wenn das Weibchen den Kampf gewinnt, kann es den Nachwuchs austragen.', informierte mein HUD.) Ob sie mit einem Laserdildo masturbierte? ('Muzak-Weibchen masturbieren mit den geschnitzten Oberschenkelknochen ihrer Opfer.', wusste mein HUD.) Ob die Dame ein ernsthaftes Problem mit Inter-Spezies-Sex hatte? Beziehungsweise eventuell interessiert werden konnte? ('Unzureichende Daten.', sagte mein HUD.)

'Achtung! Alarm! Ebene 3 sofort sichern! Eindringling auf Deck 3 jetzt in Liftnähe! Operation Venusfliege einleiten!'

Die Alienbraut schrak hoch und schwenkte nun eine Protonen-Tommygun in meine Richtung. Ihr Kopf war in meinem Fadenkreuz.

"Aliengriller!", knurrte ich der Flak zu und drückte ab. Adieu, einsame Pussy.

Auch meine verdammte Blase drückte wieder. Ich musste in Bewegung bleiben! Im Dauerlauf zum Lift nahm ich zwei Medipacks und ein Magazin für die Dislokationspistole auf. Weiter! Der Lift kam näher. Ich konnte schon die Lift-Muzak hören, 'Magic Fly' in einem Bert-Kaempfert-Arrangement - absolut tödlich für ungeübte Ohren. Die Muzaks schreckten vor nichts zurück.

Die Bodenfliesen veränderten etwas ihre Farbe. Plötzlich öffneten sich unter mir Klappen. Ich fiel in einen Schacht, hörte ein orchestrales 'I did it my way', prallte auf Stahlplatten, war eingeschlossen.

Eine Falle!

Dutzende von Muzakkriegern tanzten um mich herum. Ich hörte nur ihr Kreischen, es war dunkel. Blut zuckte auf. Grüne Schrift im HUD: '33%'. In Panik ballerte ich um mich, was die Flak hergab. Zu viele Geschosse prallten zurück, rissen mir erst den Anzug von der Haut, dann die Haut von den Armen. '23%'. Ich warf eine Fackel.

Endlich konnte ich was sehen. Der Boden war mit abgetrennten Gliedmassen, Fleischbrocken, Innereien und Knochensplittern bedeckt. Und mit Muzaks am Stück: Ich feuerte und feuerte, doch es kamen immer neue Krieger. Ihre beschleunigten Gilettes fetzten mir meinen restlichen Brustpanzer vom Leib. Dann machte es auch noch 'Pöff.' und die Flak war alle.

Jetzt hatte ich nur noch die Dispi!

'5%'.

Zwei Muzaks stürzen sich auf mich. Einen erwischte ich noch im Sprung mit der letzten Ladung aus der Pistole. Der andere grub seine Krallen in meinen Leib. Mit einem nassen Reißen verabschiedete ich mich von einem Teil meiner Bauchdecke - naja, ich wollte ja ohnehin etwas abnehmen - schlug einen Salto rückwärts und schlitzte den Kerl dabei mit der Vibratorklinge aus meiner rechten Stiefelspitze der Länge nach von unten nach oben auf. Wie Mikadostäbchen fiel er auseinander.

Das war's: Der letzte Angreifer auf dieser Ebene war erledigt und lag in Streifen neben mir.

Auch ich lag auf dem Rücken, allerdings noch weitgehend am Stück, und sortierte meine Gedärme neu. Ob die Anordnung so richtig war? Immerhin schien noch alles da zu sein. Nur die Bauchdecke war weg. Ich sprühte mir Kwik-O-Plast auf den Bauch, spürte das Brennen, riss fluchend eine Asbestfolie aus der Wand, nähte sie mir mit Zwirn aus dem Griff meines Stiefelmessers über die freiliegenden Gedärme und wartete ein bisschen, bis das Kwik-O-Plast geronnen war. Obwohl mich der Druck in meiner Blase davon abzuhalten versuchte, verkürzte ich mir die Zeit mit einem Bourbon aus dem Flachmann. Dann stand ich auf sah mich um.

Geschafft. Endlich war der Weg frei zum Scheißhaus.

*****

Bradley machte eine Pause. In der Bar war es still geworden, der Blob, Mr. Mehrfachgebiss und die Gäste der Kneipe hingen an seinen Lippen. Ein stieläugiger Glubsh bot Scott eine neue Havanna an.

"Bisschen dick aufgetragen, was, Bradley?"

Nun wurde es noch ruhiger im Raum. Es war so still, man konnte sogar den nächsten Quasar brummen hören, obwohl der sechs Lichtjahre entfernt war. Bradleys Augen wurden schmal wie Superstrings und leuchteten von innen heraus leicht grünlich.

"Du glaubst mir nicht?"

Der Glubsh schien unbeeindruckt und wackelte bedenklich mit dem Augententakel hin und her.

Mit langsamen Bewegungen knöpfte Bradley seine speckige Flotillencombi auf, zog das Camouflage-T-Shirt aus der Uniformhose und zeigte auf eine hässliche Narbe, die wie roher Hackbraten mit Würmern aussah. Dann genoss er das "Ah!" und "Oh!" der anwesenden Damen und registrierte befriedigt, wie im erstaunten Gemurmel zwei graumelierte Flottenadmiräle in Ohnmacht fielen, wobei ihre Tapferkeitsmedaillen blechern schepperten.

"Nun?" lauerte er.

"Na schön. Sieht echt aus. Und wie war das nun mit der Scheiße?"

"Ja, genau, wie war das mit der Scheiße?"

Es wurde still im Raum. Das Alien hinter Bar sabberte seitlich transparenten Schleim aus seinem Mehrfachgebiss. Der Blob rutschte auf dem Barhocker nach vorn.

Bradley spuckte die abgebissene Zigarrenspitze gelassen in den Spucknapf neben der Theke und erzählte weiter.

*****

Eigentlich hasse ich diese Muzakscheißhäuser. Muzaks gelten als die härtesten Krieger diesseits der Sternenleere von Vurt, schlimmer als Klingonen und Lawyer zusammen. Aber Fakt ist: Es sind alles Sitzpinkler! Nun hätte ich mich ja einfach stehend vor eine ihrer Schüsseln begeben können, doch ich war definitiv zu groß für ihre seltsam flachen Klohöhlen. Zudem ließ mir der HUD-Hinweis 'Katheder overload, reset or relaunch reservetank immediatly' keine Wahl.

Immerhin, die Schüssel war frei und einigermaßen sauber, und von welcher Klobrille eines imperialen Truppentransportschiffs kann man das schon sagen? Also ließ ich die zerschossenen Hosen runter und entsorgte das dringendste. Und bei der Gelegenheit auch gleich, was sonst noch so anfiel.

Während ich auf der Schüssel saß und unter schweißtreibenden Anstrengungen den jargelwakturianischen Chili-Schoko-Reis-Auflauf vom Tag zuvor verfluchte, dachte ich in Ermangelung einer Lektüre nach. Dass der letzte Muzak mir die Gedärme angeknabbert hatte, war weniger schlimm als die Tatsache, dass ich auf dem Weg durch die äußeren siebenundzwanzig Zonen des Muzak-Kampfsterns meine komplette Einsatzbewaffnung verschossen hatte. Waffentaktisch gesehen war ich schlicht pleite. Die Hundertschaft erledigter Muzakkrieger, deren Reste an den Wänden meines Weges hierher langsam zu Boden rutschten, schwächte den Kampfstern nicht im geringsten. Meine Mission schien ziemlich aussichtslos.

Da kam mir plötzlich die Idee, wie ich diesen Muzak ihren Todesplaneten um die Ohren schlagen könnte - hey, auf dem Scheißhaus kommen einem ja immer die besten Ideen, nicht wahr?

Na, jedenfalls: Die Muzak hatten den Befehl, nur mit essbaren Gummipuppen zu poppen, da echter Sex zwischen den hochaggressiven Kriegern viel zu gefährlich war und bei früheren Invasionen schon zur völligen Dezimierung der eigenen Angriffsflotten geführt hatten - das war Fakt 1. Und nach jedem ihrer Kunststoff-Schäferstündchen gingen sie erstmal scheißen, da zum gelungenen Paarungsakt auch der Verzehr des Partners gehörte - Fakt 2. Da die Langeweile auch auf den interstellaren Sternenreisen der Muzaks ein erhebliches gesellschaftliches Problem darstellte, poppten die meisten Muzak ziemlich häufig - Fakt 3.

Nimm alles zusammen, und Du weißt: Muzaks rennen mindestens acht Mal pro Sternentag in ihre Klohöhlen, um einen Braunen abzuseilen. Das machte bei diesem Todesplaneten einen gewaltigen Haufen Muzak-Scheiße, der durch die Kanalisation des Muzak-Kampfsterns befördert werden musste.

Meine Idee basierte auf der simplen gentechnischen Gleichung, dass sich Scheiße leichter verdoppeln lässt als den Muzaks das Gummipoppen abgewöhnen. Und auf dem kleinen Chemiebaukasten in meiner Ausrüstung: Ich begann also, eine kleine ScheisseverDoppelungs virus Einheit [SvDvE] zusammen zu rühren. Einmal in die Kanalisation eingebracht und durch den ersten fäkalen Kontakt aktiviert, würde mein SvDvE alle biologischen Komponenten der Muzakkacke unverzüglich zu kontrolliertem Wachstum anregen. Die Kanalisation würde überquellen und die Elektrik des Todessterns lahm legen. Ha!

Noch auf der Schüssel sitzend, frickelte ich endgültig die ScheisseverDoppelungs virus Einheit zusammen und verpasste ihr mit Hilfe einiger Flak-Bauteile und einem neben dem Klo an der Wand befestigten Nintendo Gameboy eine kleine Roboter-SvDvE-Distributionseinheit. Sie sah zwar nicht so elegant aus wie ein Nosy Roboterhund, erfüllte aber sicher voll und ganz ihren Zweck: Den Virus ins Herz der Kanalisation zu tragen und freizusetzen, und zwar erst dann, wenn ich außer Reichweite war.

Ich griff nach dem Klopapier. Jedes einzelne Blatt trug das Wappen des Muzak'schen Kaiserreichs. Und, wow, diese Sitzpinkler wussten, wie man lebte: Das vor Sternenkamillentinktur triefende, siebenlagige Papier hatte eine autonome Fuzzy-Nanostrukur, die sich schmeichelnd in die Kimme schmiegte. Hier musste die sanitäre Truppenlogistik ja ein Vermögen kosten!

Leider war die Rolle schnell alle, doch ich musste ohnehin los - draußen auf dem Gang näherten sich bereits Schritte.

Also knöpfte ich die Hose zu und ließ den SvDvE-Distributionsdroiden in die Schüssel gleiten, um mich endlich aus dem Staub zu machen.

Leider zu spät. Schwere Stiefel traten die dünne Trennwand auf. Der kleine Metallriegel brach mitsamt der Schrauben aus dem Holz und zischte an meiner Stirn vorbei. Die Tür schwang auf und der bedrohliche Schatten eines Muzak-Kriegers wuchs mir auf dem Boden entgegen.

Im gleißenden Licht sah ich eine zweite Rolle dieses sagenhaften Klopapiers, dann reagierte ich bereits. So lag ich längst auf den Fliesen, als der Muzak das Feuer eröffnete. Sein Kugelhagel zerfetzte nur die Porzellanschüssel (Hyperroy & Bosh), doch ehe ich ihn mit der Reserveladung der Dislokationspistole perforieren konnte, hatte er auch den Distributionsroboter getroffen. Die SvDvE-Ladung spritzte über das zerbrochene Porzellan und gurgelte in den Abfluss.

Oh Gott, ich war zu nah dran, ich war viel zu nah dran! Sekundenlang kniete ich starr auf der Brust des toten Kriegers und fummelte geistesabwesend den Muzak-Blaster aus seiner zehngliedrigen Hand. Denn meine Aufmerksamkeit galt dem Abfluss und meinem Geruchssinn.

Plötzlich passierte... nichts. Hatte ich die falsche Formel zusammengerührt? Chemie ist bekanntlich nicht gerade meine Stärke ... da dampfte es jäh aus dem Abflussrohr. Und blubberte. Und zischte. Und grummelte.

Und es stank. Nach Scheiße.

Der Druck auf den Abwasserrohren musste bereits ungeheuer sein. Ich kam auf die Beine, entsicherte den Blaster und rannte los. Hinter mir schoss eine braune Fontäne aus dem Abfluss, drohte mir wie der braune Zeigefinger des Schicksals. Ich rannte, was meine Beine hergaben, rannte, rannte, rannte.

Die Schleusen auf meinem Weg nach draußen schoss ich allesamt und kurzerhand mit dem Blaster auf. Jede Wache, die sich mir in den Weg stellte, legte zwar noch einmal kurz auf mich an, sah dann aber mit geweiteten Schlitzpupillen den braunen Tsunami hinter mir und brachte sich daraufhin selbst in Sicherheit.

Ja, was soll ich sagen? Ich hatte wohl zur falschen Formel gegriffen. Statt die Scheiße nur gemächlich zu verdoppeln, vermehrte der Virus sich und die Scheiße mehrfach überproportional: Die Muzak hatten vielleicht noch etwa fünf bis zehn Minuten Zeit, bis ihr kugelförmiger Todesstern von innen heraus komplett mit Scheiße ausgefüllt war. Mehr Zeit hatte ich auch nicht, das Hangar mit meinem Schiff zu erreichen. Abzuschalten war die Vermehrungswirkung nicht, da die innere Energieversorgung des SvDvE über Photonenhitchhiking gesteuert wurde, und hier, in relativer Sonnennähe, würde der Virus seine Tätigkeit erst einstellen, wenn die Sonne erlosch.

Ich rannte, bis mir die Lungen wie Kiemen aus der Brust hingen, dann endlich erreichte ich den Hangar (er wurde mit Brian Eno beschallt), sprang in das offene Cockpit meines Stellar-Bentley, rammte den Zündschlüssel in die Konsole und ließ die Faust auf den Notstart-Knopf krachen.

Keine Sekunde zu früh. Das Schott, das ich eben erst hinter mir gelassen hatte, barst unter dem Druck der aus allen Öffnungen quellenden Scheiße. Die Plexiglaskanzel meines Cockpits schloss sich gerade noch rechtzeitig, dann wurde die Welt draußen braun. Ich starrte auf die Instrumente, beäugte ängstlich das unter dem Druck knirschende Plexiglas und zapfte die Außenkameras an:

Der Bentley raste aus dem Hangar, die Triebwerke im Leerlauf, getrieben von einer braunen Welle. Dann endlich zündeten die Motoren, und ich entkam der braunen Flut.

Erst nachdem ich ein knappes Parsec zwischen mich und die Kampfstation gebracht hatte, zündete ich die Bremsraketen, drehte mein Boot, schaltete die Scheibenwischer an und fuhr die Telesensoren aus. Auf den Monitoren erschien der Todesstern der Muzak, eine der gefürchtetsten Angriffswaffen, die jemals gebaut worden waren. Es schwebte im All, eine 88 Kilometer durchmessende, dunkle Kugel des Todes, furcheinflößend, und doch schien das metallische Monster wie unter einer inneren Anspannung zu zittern. Risse bildeten sich, dann zerplatzte die Kampfstation unversehens mit dem ekligen Geräusch von Blähung plus Durchfall, so laut, dass man es sogar noch im Andromedanebel hören konnte.

Geschafft!

Ich zündete mir eine Trinidad Fundadores an, warf die Rolle Muzak-Klopapier, die ich hatte mitgehen lassen, auf die Rückbank meines Bentleys, und wies den Autopiloten an, das nächste Bordell mit Dusche anzufliegen.

*****

"Ach ja: Das Schiff wollte ich noch loswerden," fügte Bradley hinzu, "aber nicht mal der schmierigste Gebrauchtshuttlehändler wollte mir die Scheißkarre abkaufen. Der Geruch war einfach nicht wegzukriegen."

"Und das war alles?", fragte der Blob. "Deswegen haben Sie Dich in der ganzen Galaxis steckbrieflich gesucht?"

Bradley schüttelte den Kopf.

"Nein. Aber der Virus ... er war nicht aufzuhalten. Die Sonne erlosch, doch SvDvE vermehrte sich explosionsartig und ohne Rücksicht auf die Beschränkungen des Photonenhitchiking. Und nach 25 Sterntagen war der ganze Raumsektor um So17 A4524 ein wuchernder, sphärisch geformter Scheißeberg."

Scott leerte den Glennfizz und schmatzte genüsslich.

"Tja, Leute: Selbst die Encyclopedia Galactica nennt die Raumgegend dort heute den 'Kugelstern-Haufen'."

 

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